Kommentar

„Nein zur Trumpisierung“ von Stefanie Dörre

Waren Sie genervt? Sauer? Oder resigniert?

Stefanie Dörre

Bei mir mischten sich all diese Reaktionen, als die Nachricht kam, die Kosten für den Umbau des Pergamonmuseums werden sich von geplanten 261 auf 477 Millionen Euro erhöhen, die Bauzeit um vier Jahre verzögern. Ja, Bauen ist schwierig. Denkmalgeschütztes erst recht. Aber dass die Story bei der Sanierung öffentlicher Kulturbauten immer wieder gleich läuft, ist wirklich ärgerlich. Und untergräbt das Vertrauen in die Fähigkeiten von Verwaltung und Kulturhäuptlingen.
Zwei von ihnen, Michael Eissenhauer und Hermann Parzinger, saßen letzte Woche auf dem Podium und verkündeten, dass es ab Frühjahr 2018 ein Ausweichquartier für den Pergamonaltar gibt, in dem leichter bewegliche Teile wie der Telephosfries und Statuen zu sehen sein werden. Dazu das beeindruckende Pergamon-Panorama von Ydegar Asisi und eine 3D-Visualisierung des gesamten Altars. All das temporär, bis 2023 der analoge Altar wieder zugänglich ist – und das Original dann hoffentlich noch interessiert nach all den digitalen Offerten und der Suggestion, diese wären fast so gut wie echte Exponate. All das ist privat finanziert, die Stuttgarter Wolff Gruppe stellt den Übergangsbau für 17 Millionen Euro hin. Auch Eissenhauer sagt klar, dass das kein Zukunftsmodell sein darf. Im Kern: Der Staat schafft’s nicht, Superman Privatinvestor schon. Mit dieser These hat Trump gerade die Wahl gewonnen. Und die Trumpisierung der Berliner Kultur wäre ein Horror.

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