Essen & Trinken in Berlin

Netzwerkerin in Sachen Esskultur

Seit rund zwei Jahren mischt Kavita Meelu die hiesige Food-Szene auf. Dabei entstehen ungewöhnliche Projekte, die alle der Vielfalt der Kochkultur verschrieben sind

KavitaMeelu_c_EsterSuave_hipi„Das geht!“ „Das ist eine tolle Idee!“ „Das ist ein guter Platz!“ „Versuch doch mal dieses oder jenes!“ So oder so ähnlich reagiert ­Kavita Meelu immer, wenn sie zu neuen ­Ideen und Projekte zum Thema Esskultur befragt wird. Sie ist seit über vier Jahren in Berlin und seit rund zwei Jahren der Kulinarik verschrieben. Sie bringt Küchentraditionen aus aller Welt zusammen, ist auf der Suche nach einer jungen Generation von Köchen, die leidenschaftlich alte Rezepte mit neuen, unkonventionellen Ideen kombinieren. Kavita Meelu ist in London aufgewachsen, ihre Eltern sind aus Indien nach England ­emigriert. Die Tochter sollte eigentlich einen guten Job machen, Geld verdienen und ein solides Leben führen. Was Eltern sich eben so für ihre Kinder wünschen. Meelu hat deshalb erst Wirtschaft studiert und nach ihrem Abschluss in einer Werbeagentur ­gearbeitet.
In London hat sie dann ihren Freund aus Deutschland kennen gelernt, und der wollte nach Berlin – und Kavita Meelu kam mit.

Zuerst arbeitete sie weiter in einer Werbeagentur, aber irgendwie interessierte sie das Thema Food immer mehr. Und so unterstützte sie das Team von Kitchensurfing, „I am Coordinator of Kitchensurfing Berlin, the Co-founders are Borahm Cho, Lars Kluge and Chris Muscarella“, erzählt sie und wechselt dann gleich wieder ins Deutsche. Kitchensurfing bedeutet, dass ein Koch zu einem nach Hause kommt und ein Menü für mehrere Gäste zubereitet. Kavita Meelu gehört zum Organisationsteam des Projektes, das von Borahm Cho, Lars Kluge und Chris Muscarella gegründet wurde. An den ständigen Wechsel von Deutsch und Englisch gewöhnt man sich schnell. Denn Meelu versteht die deutsche Sprache ganz wunderbar, doch wenn ihr etwas wichtig ist oder ihr Herzblut an einer Sache hängt, verfällt sie kurz in ihre Muttersprache.

Streetfood_c_EstherSuave-hipiDoch richtig bekannt wurde die ehemalige Londonerin in Berlin mit Mother’s Mother. Einmal im Monat kocht jemand nach den Rezepten seiner Großmutter oder Mutter. Was ein wenig hausbacken klingt, ist eine anspruchsvolle kulinarische Suche nach der Identität von Menschen aus aller Welt, die sich Berlin als Lebensraum ausgesucht haben. „Ich werde meinen Kindern über indisches Essen, über dessen Zubereitung und Zutaten meine Identität deutlich machen“, erzählt sie. Doch die Forscherin in Sachen Weltküche will nun wieder etwas ändern. „Es können nur 30 Personen an so einem Essen teilnehmen, und ich musste viele enttäuschen, die keinen Platz mehr bekamen.“ Die Veranstaltung entwickelte sich immer mehr zu einer Art Pop-up-Res­taurant, deshalb wird Kavita Meelu das Konzept von Mother’s Mother nun anpassen. „Ich will es demokratischer organisieren. Eine kleine Gruppe von zehn bis 15 Leute sollen dann zusammen kochen und auf diesem Weg eine Kultur neu und genussvoll kennenlernen.“ Kavita Meelu hat viel gelernt von den Köchen, die bei Mother’s Mother dabei waren. Sie sammelt zudem all die Rezepte und will mit der Zeit ein Archiv anlegen, um dieses Wissen der weltweiten Küchentraditionen zu erhalten.

Kavita Meelus großes Talent ist die Kommunikation, das Networking, wie man das auf Neudeutsch nennt. Und das schafft ­immer mehr Freunde und Bekannte, die wiederum Ideen haben, die dann gemeinsam verwirklicht werden. Wie jüngst der Street Food Thursday in der Markthalle Neun. Von wem kam die Idee? Von Anna Lay und Tobias Bürger? Die beiden haben mit Big Stuff BBQ in der Markthalle gezeigt, was möglich ist an neuer anspruchsvoller Fast-Food-Kultur. Sie haben auf einer Amerika-Reise einen speziellen Barbecue-Smoker entdeckt. Und sind den langen bürokratischen Weg durch alle Instanzen gegangen. Jetzt steht der Smoker in Berlin. „Die beiden und Michael Wickert mit seinem Glut- und Späne-Stand haben den Weg gezeigt, was alles in der Markthalle möglich ist.“ Und natürlich dürfen die Macher der Markthalle Neun, Florian Niedermeier, Bernd Maier und Nikolaus Driessen nicht fehlen. Ohne ihr Konzept und ihr Durchhaltevermögen wäre die Halle nicht zu diesem neuen Leben gekommen.

Jeden Donnerstag werden an 30 Ständen Köche aus aller Welt, namhafte Küchenchefs aus Berlin, ihre Vorstellung und Interpretation von zeitgemäßer Esskultur anbieten. Hoffentlich bleibt es bei der Mischung der Gäste, bei denen jedes Alter und jede Gehaltsklasse vertreten ist und die aus allen Bezirken anmarschieren. Und hoffentlich sind die Köche weiterhin mutig genug, ihren Stil weiterzuentwickeln. Kavita Meelu jedenfalls ist sich da sicher: „Es war ein Erfolg und es wird immer besser werden.“

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Ester Suave / HiPi

Street Food Thursday in der Markthalle Neun Eisenbahnstraße 42, Kreuzberg, Do 17-22 Uhr

Mother’s Mother www.mothersmother.com

Kitchensurfing www.kitchensurfing.com

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