Stadtleben und Kids in Berlin

Neue Blumenkübel auf der Oderberger Straße

Statt des wilden Grüns, das vor den Bauarbeiten auf der Oderberger Straße wuchs, wurden jetzt schicke Blumenkübel angeschafft.

Als man schon nicht mehr dran glauben wollte, da waren sie auf einmal doch vorbei: die Bauarbeiten in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg. Statt rumpeligem Schlagloch-Charme gibt es jetzt richtige Bürgersteige – ebenso hell und glatt gezogen, wie es die Häuserfassaden in dieser Gentrifizierungsoase schon lange sind. Und auch die neuen Blumenkübel auf den neuen Bürgersteigen entlang der neuen Parkbuchten sind schön glatt. Die grauen Faserbeton-Quadrate sollen den Teil des wilden Grüns ersetzen, das der umfassenden Straßensanierung zum Opfer gefallen ist – und das zuvor von Anwohnern gepflanzt, gegossen und geliebt wurde.

Die Bürgerinitiative BIOS, die um jeden einzelnen Baum, jeden Strauch und jedes Gehölz auf der Straße gekämpft hat, hat die Kübel für die Anwohner erstritten. Danach hat sie sich da­rum gekümmert, dass jeder Großtopf wieder einen Anwohner als Paten findet, der ihn wiederum bepflanzen und begießen kann. Womit genau bepflanzt wird, kann jeder Pate selber entscheiden, nur giftig oder zu stachelig sollte es nicht sein. Ob es auch hier wieder Liebe wird zwischen Anwohnern und Kübeln, muss sich zeigen. Einige fremdeln noch etwas mit den glatten Kästen. Aber da in Berlin kein Straßenobjekt lange unbesprayt oder unbemalt bleibt, dürften die sauberen Flächen schnell die Patina der Großstadt annehmen. Was für die Bürgerinitiative und deren Obergärtner Oskar Neumann kein Problem ist: „Was man nicht verhindern kann, damit wird man leben müssen.“    

Text: Iris Braun
Foto: Christian_Hagemann

Neue Blumenkübel auf der Oderberger
Infos über Kübel, Bauarbeiten und Straße bei der Bürgerinitiative BIOS, Bürgerinitiative Oderberger Straße, www.oderberger.org/Erfahrungsberichte;
weitere Infos auch im Buch „Berlin gärtnert. Kübel, Beet und Samenbombe“, Edition Terra, 14,80 Ђ

Kommentiere diesen Beitrag