Kommentar

„Neue Zeiten“ von Erik Heier

Neulich sah ein Kollege aus der Redaktion das Buch „Wir waren die neue Zeit“ von Andreas Baum auf meinem Tisch liegen und griff sofort erwartungsfroh zu. „Geiler Titel für ein Piraten-Buch“, skandierte er begeistert.

Erik Heier

Es handelt sich dabei aber nicht um eine Bilanz des Spitzenkandidaten der Berliner Piraten-Partei bei der Wahl 2011, die angesichts der beachtlichen Dichte an Verhaltens­auffälligkeiten in der jungen Partei eine überaus unterhaltsame Lektüre versprochen hätte. Vielmehr ist „Wir waren die neue Zeit“ das Romandebüt des gleichnamigen Kulturredakteurs beim Deutschlandradio, wobei dieser Andreas Baum im Nachwendejahr 1990 in der Ost-Berliner Hausbesetzerszene und speziell einem Haus in einer (fiktiven) Straße am Rosenthaler Platz eine den Piraten mindestens ebenbürtige Bandbreite an Besonder- bis Beklopptheiten auftut. Unter anderem werden geboten: ein auf Menstrualblut versessener Maler, ein nach Mondphasen massierender Körpertrainer, durchgeknallte Hausplenumsdebatten über Sexismus und Wurstgenuss, marodierende Hooligans am Tacheles und  eine pädophile „Indianerkommune“ in der Bergstraße. Eine unterhaltsame, auch verstörende und historisch interessante Lektüre! Die Tacheles-Angriffe und die Indianerkommune sind zum Beispiel keine Erfindung. Andreas Baum liest übrigens am 22. September, 20.30 Uhr, im Buchladen Ocelot in Mitte. Aber so ein Buch vom Piraten Baum würde uns hier trotzdem interessieren. Auch wenn der Titel „Wir waren die neue Zeit“ jetzt leider weg ist.

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