Filmklassiker

Neuer Streaming-Dienst Disney+: Diese zwölf Filme sind echte Meisterwerke

Es könnte schlechtere Zeiten geben, um einen Streaming-Service zu starten. Am 24. März bringt Disney auch in Deutschland „Disney+“ an den Start – und das in der Corona-Zeit, in der Millionen zu Hause bleiben müssen. Das Angebot umfasst neben allen Simpsons-Episoden auch Fox-Filme, Star Wars, das Marvel-Universum und Inhalte von National Geographic. Aber eben auch fast das gesamte Archiv Disneys – und damit einige der besten Zeichentrick- und Animationsfilme, die jemals produziert wurden. Dies sind die zwölf besten.

Coco (2017)

In Disney-Geschichten wird ja gern gestorben, dass sich ein ganzer Film vollständig mit dem Tod beschäftigt, ist dann aber doch neu. „Coco“ spielt am Día de los Muertos, dem mexikanischen Tag der Toten. Hauptfigur Miguel gerät auf die Seite der Toten, eine berauschend farbenfrohe und liebevoll ausgestaltete Welt. Dort lernt er, was Leben bedeutet, aber auch, dass der Tod kein Ende ist. Verwoben in eine Geschichte über Intrige und Mord, vor allem aber die Bedeutung der Familia, ist Coco nicht nur einer der neusten, sondern auch einer der absolut besten Disney-Filme überhaupt. Musikalisch mitreißend, dazu mit einer tollen Message und einem der rührendsten Enden überhaupt. Lebensbejahender kann ein Film über das Sterben nicht sein.


König der Löwen (1994)

Ein wahrhafter Klassiker, und nicht nur einer der besten Disney-, sondern der besten Filme überhaupt. Vom Moment, als Affe Rafiki den neugeborenen Simba gen Himmel hebt und sich (fast) das ganze Königreich zum „Ewigen Kreis“ verneigt, bis zum Tod des Vaters und der Wiedereroberung der Steppe. Meisterlich erzählt, wunderschön umgesetzt. Die Neuauflage des Klassikers 2019 zeigte in ihrer Überflüssigkeit nur, wie makellos und wunderschön das Original ist.


Lilo & Stitch (2002)

Hawaiianische Lebensfreude trifft auf die bittere Realität des Lebens einer jungen Frau, die ihre ebenfalls verwaiste, gelegentlich etwas sozial-inkompatible kleine Schwester Lilo betreuen muss. Das gerät wegen des zufällig in das Leben der beiden gestolperten, absolut sozial-inkompetenten Außerirdischen Stitch komplett daneben. Mit Liebe und Geduld gewinnt Lilo nicht nur ihr neues Haustier, sondern auch das Herz der Zuschauer (und des Jugendamtsmitarbeiters) für sich. Rasant, überraschend weltlich in den Motiven, getragen von einem maßlos überforderten, aber immer stärker zusammenwachsenden Geschwistergespann.


Aladdin (1992)

Ein Abenteuer aus 1001 Nacht. Von eleganter Schönheit, aber auch getragen vom wahnsinnig-wunderbaren Dschinni, der für die Zusammenführung des bettelarmen Aladdins mit der Palast-Dame Jasmin ebenso verantwortlich ist wie für den (wenn auch nicht von ihm gewollten) Beinah-Untergang des Palasts und der Welt. Die Schönheit des Films beruht auf einem Mix aus Actionfilm, der Überwindung sozialer Unterschiede – und viel, viel Magie. Songs für die Ewigkeit, in der Neuauflage um eine deutlich stärkere Interpretation der Figur Jamin bereichert. Und doch bleibt auch hier das Original ungeschlagen.


Die Schöne und das Biest (1991)

Disneys Zwang, alles zu erneuern, hat bei der Geschichte von Belle und dem Biest zu einem der sehenswertesten Remakes geführt. Aber auch hier gilt: Das Original ist – trotz einiger erzählerischer Lücken und einem unbestreitbaren Stockholm-Syndrom der Schönen – immer noch Lichtjahre besser. Das charmante „Sei hier Gast“, das dramatisch-romantische Titellied und ein Cast aus Figuren, die in Herz und Gedächtnis bleiben, machen den Film zu einem der Kronjuwelen der Disney-Renaissance Anfang der 90er Jahre.


Toy Story (1996)

Es ist eine so simple, aber so schöne Idee: Spielzeug lebt! Sobald der Mensch abwesend ist, erwacht Plastik, Holz, Plüsch zum Leben. Das ist eine so liebenswerte und zauberhafte Idee für jeden, der irgendwann ein Lieblingsspielzeug hatte. Dass keine der drei Fortsetzungen nicht auch absolut sehenswert ist, spricht für das Universum um Cowboy Woody und Space Ranger Buzz Lightyear. Zwischen Nostalgie und brillanten Geschichten wird es kaum ein Kind geben, dass nach einem Toy-Story-Film nicht ein bisschen liebevoller mit seinem Spielzeug umgeht – und mit einer ganz neuen Fantasie.


Schneewittchen und die Sieben Zwerge (1937)

„Schneewittchen und die Sieben Zwerge“ hat nicht nur den Standard in der Zeichentrickanimation für Jahrzehnte gesetzt, sondern auch gezeigt, dass die Filmform absolut abendfüllend und kinotauglich ist. Die sieben unterschiedlichen Zwerge, ihre uneingeschränkte Freundschaft trotz aller Frotzeleien und wie sie Schneewittchen aufnehmen, sind immer noch toll anzusehen. Das Hei-ho, hei-ho hallt lange nach, ein klassisches Märchen fürs Herz, das von seiner spannenden Story und der Schönheit dieser inzwischen mehr als 80 Jahre alten Zeichnungen immer noch so sehenswert ist.


Wall-e (2008)

Es geht um zwei Roboter, die sich langsam anfreunden in einer post-apokalyptischen Welt, in der die Menschen nicht nur die Erde verlassen, sondern auch jede Lebensfreude verloren haben. Der Film ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil er quasi ohne Worte erzählt wird, sondern auch, weil Pixar hier zwei technischen Geräten, die nur mit sehr eingeschränkter Gestik aufeinander reagieren, mehr Leben einhaucht, als es gar in vielen Spielfilmen den echten Schauspielern gelingt. Eine ungewöhnliche Erzählung über eine unwahrscheinliche Liebe, voller wunderschöner Bilder und einem subtilen, aber enorm starken Soundtrack.


Pinocchio (1940)

Die optisch und erzählerisch teils überraschend intensive Umsetzung des italienischen Klassikers „Pinocchio“ festigte den Ruf Walt Disneys als Meister seines Fachs. Die Initiationsgeschichte des kleinen hölzernen Lügners zu einem echten, aufrichtigen Kind ist hochgradig emotional – nicht nur in dem Mut, den Pinocchio entwickelt, sondern auch in der Traurigkeit seines Schöpfers Gepetto, der sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind. Tod und Wiedergeburt des kleinen (Holz-)mannes gehören wohl zu den rührendsten Momenten des Gesamtwerks Disneys.


Alice im Wunderland (1951)

Disneys Versuch, Lewis Carrolls skurrilen Klassiker zum Familienfilm umzufunktionieren, fiel bei Kritikern und an der Kinokasse durch, wurde angeblich später von Walt Disney selbst verschmäht. Erst mit den Jahren (und vor allem in der popkulturell farbenfroh-entrückten Welt der 70er) fand der Film ein immer größeres Publikum, auch in der Filmkritik wurde er immer wieder neu (und besser) evaluiert – und langfristig zum Klassiker erklärt. Bis heute hat Disney sich selten getraut, so surreal, teils auch düster zu werden wie in Alice. Ein toller Trip, der an jeder Ecke eine neue Wendung nimmt. Und immer nur gute.


Das Dschungelbuch (1967)

Waise Mogli findet im Urwald tierische Freunde, lernt von Balu dem Bären eine eigene Interpretation dessen, was Simba viele Jahre später in Form von „Hakuna Matata“ von Timon und Pumbaa auch vermittelt bekommt: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“. Dass dieser Zustand dank Tiger Shir Khan, Orang-Utan King Louie und Schlange Kaa nicht dauerhaft haltbar ist, dient natürlich der Spannung. Eine Geschichte mit so viel Herz, so viel Freundschaft, von ewiger Schönheit.

Mulan (1998)

Die Neuauflage fiel (vorerst) Corona zum Opfer, das ist schade, macht aber so viel auch nicht. Denn es gibt ja das Original, in dem Disney mit dem chinesischen Kaiserreich eine farbenfrohe, aber eben auch kriegsreiche Epoche als Schauplatz wählte. Das Schöne ist, dass Mulan nicht auf der Suche nach der großen Liebe, sondern Gerechtigkeit und Anerkennung ist. Sie will ihre Familie schützen, sie vertraut auf ihre Kraft, möge die Gesellschaft diese aufgrund ihres Geschlechts noch so sehr in Frage stellen. Tolle Lieder, aufregende Szenen, ein dramatisches Finale und am Ende eine starke Heldin, deren Geschichte oft unter den ganz großen Disney-Filmen vergessen wird, dort aber uneingeschränkt hingehört.


Wer vor dem 24. März Disney+ für ein Jahr abonniert, zahlt knapp 60 Euro, danach knapp 70 Euro. Auch ein monatliches Abo ist möglich, auch das ist preislich noch eine deutliche Kampfansage an Netflix und Konsorten – 6,99 Euro im Monat, knapp 84 im Jahr also. Am Erscheinungstag erscheint eine App für Mobilgeräte, der Amazon Fire TV Stick und Apple TV werden zum Start genauso kompatibel sein wie viele Spielkonsolen und Smart-TVs. Alle Infos dazu auf der Seite von Disney. Gute Nachrichten für Menschen mit Telekom-Verträgen: Sie bekommen noch bis einschließlich 23. März ein halbes Jahr Disney+ umsonst. Mehr zum Angebot beim neuen Streaming-Dienst Disney+: Das Haus der Maus. Auch auf den anderen Plattformen tut sich etwas: die besten neuen Serien auf Netflix, Sky und Amazon Prime.

Einzige Sorge: In einigen Ländern sorgen Ausgangssperren und Home Office für massive Datennutzungen. Netflix schickt deshalb in Europa zum Beispiel schon ein schwächeres Signal. In Frankreich hatte die Regierung Disney aufgefordert, den Start zu verschieben.

Wer andere Inhalte bevorzugt: Derzeit werden viele kulturellen Ereignisse ins Netz verlegt und gestreamt – die neue Kultur in Zeiten der Corona, bei der sich Theater und Opern anschließen. Die besten Tipps für TV-Streaming haben wir zusammengestellt. So werden auch DJ-Sets aus Berliner Clubs ins Internet gestreamt – in der Hoffnung, Spenden zu generieren.