Stadtleben und Kids in Berlin

Neues Kulturzentrum Uferhallen in Berlin Wedding

Auf dem Gelände der ehemaligen BVG-Werkstätten ist ein großes Kulturzentrum entstanden. Das bringt neue Leute in den Wedding, und vielleicht auch frischen Wind

Uferhallen fotograiert von Heinrich Hermes
Der Berliner Kunstsalon war schon da. Modedesigner Michael Michalsky auch. Und jetzt der 3. Europäische Monat der Fotogra­fie. Auf dem Gelände der ehemaligen BVG-Zentralwerkstätten, mit­ten im Wedding, ist ein Kulturzentrum entstanden. Früher war hier ein Pferdebahnhof, ab 1926 dann ein Werkstattkomplex für die Berliner Verkehrsbetriebe, wo noch bis 2006 in riesigen Hallen Busse und Straßenbahnen repariert wurden. Vor einem Jahr dann kaufte die UferHallen Immobilien AG, ein Zusammenschluss privater kunst­interessierter Investoren, das 37.000 Quadratmeter große Areal an der Uferstraße.

„Die Idee war, eine Kulturwerkstatt nach Vorbild der Wiener Werkstätten zu schaffen“, sagt Daniel Biesold, Geschäftsführer der UferHallen und selbst Künstler. Aus den denkmalgeschützten Om­­nibuswerkstätten wurden Kulturwerkstätten und Ausstellungshallen. Ein Großteil der Gebäude ist bereits an Künstler, Architekten und Musiker vermietet. Die Hauptwerkstatt, ein Komplex aus mehreren Hallen, sieht aus, als könnte hier jederzeit wieder eine Tram instand gesetzt werden. An der Decke hängen dicke Stahlrohre mit Haken, im Boden sind Schienen eingelassen. Eine Zylinderpresse steht mitten im Raum. Das soll so bleiben. Die Motorenwasch­maschine ist zur Bar umfunktioniert. Diese insgesamt 3000 Quadratmeter große Fläche wird für Kulturevents vermietet. Mit den Ausstellungen im Monat der Fotografie sind die UferHallen zum ers­ten Mal über längere Zeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Wo früher der Pförtner das Eintreffen der kaputten Fahrzeuge überwachte, da ist jetzt ein nied­liches Cafй, das Cafй Pförtner. Dort tummeln sich zwischen den Künstlern viele Studenten, denn in die Hallen gegenüber auf der anderen Straßenseite ist der TanzRaumBerlin eingezogen, ein Tanzzentrum der Hochschulen. 2006 hatten das Land Berlin, die Univer­sität der Künste sowie die Schauspielschule Ernst Busch einen Kooperationsvertrag ge­schlos­­sen. Mit den UferHallen sind jetzt auch die passenden Räumlichkeiten für die Studiengänge gefunden. Der Umbau ist noch nicht fertig, geprobt wird trotzdem schon. Daniel Biesold sieht in den UferHallen eine neue Chance für den Kiez: „Ich gehe davon aus, dass die Tanzstudenten in den Seitenstraßen wohnen werden. Dann kommen Bars, Kneipen und Clubs nach.“

Uferhallen Wedding fotografiert von Heinrich HermesKunst, Künstler und Ausstellungen, das alles gibt es schon länger im Wedding: Die Osram-Höfe, die Gerichtshöfe und die 2001 gegründete Künstlervereinigung Kolonie Wedding sind Beispiele für Versuche, im Kiez Kulturangebote zu etab­lieren. Rund um die Soldiner Straße gibt es zahlreiche Projekträume. Sogar einige Studenten und Künstler sind hierhergezogen. „Das, was zurzeit in Neukölln passiert, hätte auch hier passieren können“, sagt Matthias Mayer von der Kolonie Wedding. Hätte. Eine Erklärung dafür hat er auch nicht, aber bisher boomt es im Bezirk nicht. Die kleinen Projekt­räume fallen im Alltag nicht weiter auf, geöffnet sind sie meist nur sonntags. Neue Bars und Cafйs schließen nach kürzester Zeit wieder. Künstler und Studenten prägen nicht das Straßenbild.
Vielleicht noch nicht. „Es passiert unheimlich viel im Wedding. Immer mehr Leute kommen zu uns. In der letzten Zeit auch viele Touristen“, sagt Olivia Franke von der Galerie Max Hetzler, eine der wichtigsten Galerien Berlins, die seit über zwei Jahren neben Mitte einen zweiten Standort in den Weddinger Osram-Höfen hat. Egal, wen man von den im Wedding arbeitenden Künstlern und Kulturschaffenden fragt, sie alle sprechen von einer zwar noch zögerli­chen, aber doch deutlich spürbaren Aufbruchstimmung. Eine leise und stille Entwicklung. Wohin es geht, kann niemand so genau sagen. „Ganz allmählich, ganz langsam verändert sich hier die ganze Atmosphäre“, sagt die Künstlerin Dagmar Tinschmann-Lichtefeld vom Projektraum 2 Garage 2 Reloaded: „Die UferHallen könnten eine Chance sein. Es fängt gerade an, im Wedding richtig spannend zu werden.“

Text: Katharina Wagner
Fotos: Heinrich Hermes


UferHallen
Uferstraße 8-11, Wedding,
www.uferhallen.de.
Aktuelle Ausstellung:
3. Europäischer Monat der Fotografie Berlin, bis 13. Dezember, Di-So 12-19 Uhr, Eintritt: 3/2 Ђ, Veranstaltungen
und Termine unter www.mdf-berlin.de

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