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Neueste Forschungen zu Haarausfall in Bonn und Berlin

Foto: pixabay©Pexels (CC0 1.0)

Rund 80 Prozent aller Männer in Europa sind davon betroffen. Vielfach sind genetische Faktoren Auslöser, wie jüngste Studien belegen. Und oftmals sind mit dem Ereignis psychische Beeinträchtigungen verbunden, bis hin zu einem latenten Gefühl, nicht mehr richtig „Mann“ zu sein, verbunden mit Verlustängsten: Die Rede ist von Haarausfall, der ab einem bestimmten Alter für viele unweigerlich und scheinbar unaufhaltsam einsetzt, angefangen von ersten Geheimratsecken bis hin zum Endstadium Glatze.

Forscher fanden unlängst erste Hinweise dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen Erbgut und Neigung zu Haarausfall gibt – für viele Betroffene zwar kein unmittelbarer Trost, aber zumindest eine Aussicht auf breitere Erkenntnis über mögliche Ursachen. Letztlich kann fundiertes Wissen über auslösende Faktoren über kurz oder lang zu neuen, vielversprechenden Behandlungsansätzen führen. Bis dahin bleibt für Betroffene immer noch der Weg zur plastischen Chirurgie, die in den letzten Jahren große Schritte in Richtung moderner, narbenfreier Haartransplantation gemacht hat.

Zusammenhang zwischen Genom und Haarausfall

Bislang scheint kein Kraut gegen erblich bedingten Haarausfall gewachsen zu sein. Neuere Forschungen machen jedoch Mut, mittel- bis langfristig den Schlüssel dafür in Händen zu halten, warum die Haarfollikel irgendwann beginnen, nur noch besonders kleine, dünne Härchen von instabiler Struktur zu produzieren.

Wie Stefanie Heilmann-Heimbach, Markus Nöthen und ihre Kollegen von der Uni Bonn in ihrer Genstudie herausfanden, gibt es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Veränderungen im menschlichen Genpool und erhöhtem Risiko für vorzeitigen Haarausfall. An 20.000 Männern aus sieben Ländern gelang ihnen der Nachweis, dass entgegen bisheriger Erkenntnis nicht nur die Zellen des Haarfollikels selbst, sondern auch in der Kopfhaut befindliche Immun- und Fettzellen am Haarausfall beteiligt sind.

Neuere Transplantations-Methodik macht Betroffenen Mut

Andere Forschungsergebnisse etwa die von Reza P. Azar, dem Leiter des Zentrums für moderne Haartransplantation in Berlin, bestätigen die über bisherige gängige Lehrmeinung hinausgehenden Erkenntnisse. Ihnen lag bislang die Annahme zugrunde, dass allein eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen Testosteron wie auch bestimmter Botenstoffe für ein in Stocken geratenes Haarwachstum ausschlaggebend ist.

Azar macht Patienten Mut, sich auf innovative Haarausfall-Therapien einzulassen, die er in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin und der Charité im eigenen Forschungslabor entwickelt und optimiert hat und mit denen er mittlerweile sehr erfolgreiche Behandlungsergebnisse erzielt

Neben experimenteller Grundlagenforschung zum Haarklonen für die Gewinnung von Spenderhaaren wie auch der Entwicklung von Stammzellen-Therapie zur Haarfollikelstimulation bei verschiedenen Haarausfallformen, hat gerade die Entwicklung neuer bioregenerativer Verfahren zur Behandlung von Haarausfall bisher ungeachtete Behandlungsmöglichkeiten erschlossen. Dies gibt vielen Betroffenen Anlass zur Hoffnung.

In den Fällen, in denen auch die bioregenerativen Behandlungen keine Erfolge mehr erzielen können, kann die Haartransplantation helfen.

Statt der weit verbreiteten, aber gewebetraumatisierenden FUT-Methode/ Streifenmethode setzt Azar seit 10 Jahren auf die gewebeschonende FUE-Methode, bei der Spenderhaare einzeln mittels einer mikrofeinen Hohlnadel entnommen, zwischengelagert und an anderer Position wieder eingesetzt werden.

Die FUE-Methode optimierte er zur IFUE-Methode – der Name steht für „ Intermittent Follicle Unit Extraction“ und verweist auf jene kurze Zwischenlagerung der Follikel vor ihrer Weiterverarbeitung. Der schnitt- und narbenfrei verlaufende Transplantationsvorgang gilt als derzeit modernste Methodik der Haarverpflanzung und resultiert in einem schnelleren Einheilen und höherer Anwuchs-Rate der Transplantate. Da die Spenderhaare so verletztlich und wertvoll sind, sollte die komplette Haartransplantation unbedingt von einem, auf Haartransplantationen spezialisierten Arzt und ohne jegliche Delegation von Operationsschritten an Assistenten erfolgen. So kann man eine unnötige und kostenintensive Korrekturbehandlung vermeiden.

Haircloning in Berlin?

Seit Jahren wird auch an der biotechnologischen Abteilung der Technischen Universität Berlin intensiv an Maßnahmen gegen vorzeitigen Haarausfall geforscht. Unter der Leitung von Dr. Gerd Lindner steht die Entwicklung einer Technologie zum Haar-Klonen im Mittelpunkt des Interesses.

Die Idee ist, gesunde Haarfollikel künstlich im Labor zu reproduzieren und anschließend erfolgreich zu implantieren. Momentan ist es zwar grundsätzlich noch nicht möglich, echte Haarfollikel aus Stammzellen in-vitro zu züchten. Seit Jahren wird jedoch schon intensiv Grundlagenforschung betrieben. Versuche an Menschen sind auch schon vorgenommen worden – bislang noch ohne Erfolg.

Experten gehen jedoch davon aus, dass es in circa zehn bis 15 Jahren möglich sein wird, Haare quasi künstlich im Reagenzglas zu züchten und erfolgreich in die Kopfhaut einzupflanzen.

Im Zuge der Forschungsarbeiten hat sich als eines der Hauptprobleme dabei der Implantationsprozess der multiplizierten Haarfollikel erwiesen. Diese müssen dabei so eingesetzt werden, dass sie nicht nur dauerhaft erhalten bleiben, sondern auch in die richtige Richtung wachsen.

Zudem muss gewährleistet sein, dass die Follikel-Stammzellen keine Anomalien entwickeln und sich unkontrolliert zu teilen oder auch zu wuchern beginnen. Derzeit wird nach Investoren für eine Studie gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen wollen.

Hautklinik der Charité in Berlin

Betroffene können sich an die Hautklinik der Berliner Charité wenden, wo viele Patienten seit Jahren schon mit einem breiten Spektrum an Haut- und Haarerkrankungen im ambulanten wie stationären Bereich betreut werden.

Nach ausführlicher Befragung zur Vorgeschichte wie auch zu bisher vorgenommenen Untersuchungen und Therapie-Ansätzen, werden die gewonnenen Fakten zusammengetragen und ausgewertet. Sie bilden die Basis für weitere Untersuchungen von Haaren und Kopfhaut. Dabei hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass die Ursachen für Haarausfall verschiedenster Natur sein können und parallel dazu auch viele Formen von Haarausfall existieren.

In der Haardiagnostik kommen unter anderem moderne, computergestützte Haaranalyse-Verfahren zur Anwendung. Als häufigste Ursache von Haarausfall bei Frauen und Männern hat sich in der Charité-Historie dabei der anlagebedingte, erbliche Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopezie erwiesen.

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