Musik & Party in Berlin

Nhoah: Tangowerk

Das Feuer der anderen: Produzent Nhoah verkuppelt den Tanzklassiker mit Elektronik und Pop-Melodrama.

Nhoah

Betritt man das Studio von Nhoah, fällt die lange Reihe Schallplatten am Fuß des Mischpults auf. Kraftwerk ist dabei, außerdem eine abgegriffene Platte mit argentinischem Tango. Beides markiert recht sinnbildlich die Eckpfeiler von Nhoahs neuem Projekt: Tangowerk. Im Grunde ist es die Soloarbeit des Produzenten, den man vor allem als Elektronikfan und rechte Hand der Band Mia. kennt. Allein wie er auf den Tango-Geschmack kam, ist eine sehr persönliche Geschichte. „Ein Freund hatte mich vor fünf Jahren nach Buenos Aires eingeladen. Das war zu einer Zeit, als ich eigentlich gerade sehr unglücklich war“, erzählt der Musiker, der damals eine Trennung auskurierte. „Als ich in Bars gegangen bin, mit meiner ohnehin zerstörten Lebenseinstellung, und dort auf diese Tango-Welt gestoßen bin, hat mich das aufgefangen und am Ende gerettet, kann man sagen.“ Was als kleine Flucht gedacht war, wurde plötzlich spannend. In den Clubs und Tanzsälen lernte Nhoah Musiker und Partymacher kennen, knüpfte Kontakte. Einige finden sich nun als Gäste des Tangowerk-Debüts, etwa das Tango-Orchester Fernбndez Fierro mit Sänger „Chino“ Laborde, das er eines Nachts in einem Club erlebte. „Sie spielen den Tango mit einer Energie, dass man meint, man hört eine Heavy-Metal-Band“, schwärmt der 49-Jährige, der bald häufiger nach Buenos Aires reiste, Studios buchte, eine ganze Truppe Berliner Musiker mitbrachte und den Argentiniern vorstellte. Auf dem Album sind entsprechend viele Stimmen zu hören, prallen traditionelle Tango-Instrumente wie Geige und Bandoneon auf popselige Elektronik. Im Fall von „Lost in Weltschmerz“ passt Drama-Queen Mieze gut zu kühlen Elektrobeats und üppigen Tango-Streichern; woanders versprühen die Berlin Comedian Harmonists einen Hauch Cabaret-Nostalgie. Bei allem Kontrast basieren alle Tracks auf dem traditionellen Rhythmus. Klassischer Paartanz funktioniert durchaus dazu, versichert Nhoah, der aber zugibt, selbst kein Tangotänzer zu sein. „Eine schöne Entwicklung für die Zukunft von Tanzmusik wäre es, wenn man sich dabei wieder in die Arme nimmt und zusammen tanzt“, findet er. Freistil täte es auch und würde damit gut nach Berlin und zu Leuten wie Nhoah passen.

Text: Ulrike Rechel

CD: Tangowerk by Nhoah (R.O.T. Records)

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