Alternativ-Electro

Nihils spielen in der Kantine am Berghain

Nihils sind Tirols einzig ernst­zunehmender Pop-Export

Foto: Livia Alcalde

Eine Frage: Die Tiroler Musikszene ist vor ­allem für was berühmt? Genau, Après-Ski-Gedudel. Aus diesem Grund hätten es lokale Bands, die sich urbaner Musik verschrieben haben, dort auch eher schwer. So sehen das zumindest die drei Jungs von Nihils.

Um ihren Indie-Pop im Stil von The Kooks und Noah and The Whale einer breiteren Masse vorzustellen, nahm die Band deshalb 2011 bei der österreichischen Castingshow „Die große ­Chance“ teil. Sie schafften es immerhin bis ins Halbfinale, verschwanden nach einem kurzen Charterfolg aber dann schnell wieder in der Versenkung – nicht ganz unbeabsichtigt. „Wir wollten auf keinen Fall von jemandem bei der Hand genommen werden, der uns sagt, was das ­Beste für uns sei“, erklären Nihils gegenüber einem österreichischen Musikblog. Die Band verzichtete deshalb auf einen Plattendeal und zog sich stattdessen in den Proberaum zurück, um an Songs zu arbeiten, die das Zeug dazu haben sollten, mehr zu sein als bloß ein vielleicht kurz­weiliger, aber halt auch kurzlebiger Hype.

Sechs Jahre und prestigereiche Gigs auf dem South By Southwest in Austin, dem Hamburger Reeperbahnbahnfestival und im Vorprogramm für 30 Seconds to Mars später ist vom ursprünglichen Sound der Band nicht mehr viel übrig. Die Gitarre wird bei den Neu-Berlinern nur noch ­herausgeholt, um funkige Akzente zu setzen. Tonführer sind nun Synthies, die für einen ­organisch-warmen, entspannt-fließenden Alternative-Electro-Pop Sound sorgen. Immer wieder mischen sich minimalistische Clubtunes unter, aber Ramon Riezouws glasklare Stimme holt die Tracks stets auf die Feelgood-Tanzfläche zurück.

Kantine am Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Mo 27.11., 20 Uhr, VVK 12 € zzgl. Gebühren