Klassiker

Nina Hagen spielt Brecht im Berliner Ensemble

Nina Hagen taucht mit Brecht-Liedern in ihre Musik-Sozialisation ein

Foto: Marcus Lieberenz/ bildbuehne.de
Foto: Marcus Lieberenz/ bildbuehne.de

Wenn die Hagens sich auf der Bühne des BE versammeln, sieht das aus wie ein entspanntes Kaffeekränzchen. Das ist genauso gewollt. Bei ihrer Gastspielreihe „Nina Hagen singt Brecht“ lässt das Pop-Unikum Familienmitglieder und musikalische Freunde auf gemütlichen Polstermöbeln Platz nehmen; Akustikgitarre, Drums und Bass passen locker um den Couchtisch. Das Berliner Ensemble ist in der Tat so etwas wie das zweite Wohnzimmer des Hagen-Clans, zählte Ninas Mutter Eva-Maria zu DDR-Zeiten doch zu den Stars des Brecht-Theaters. Grund genug für Nina, in die eigene Musiksozialisation einzutauchen, an dem Ort, den sie von innen kennt, seit sie zwölf ist. Adaptionen von Liedern wie „Das Lob des Lernens“, „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ oder Evergreens wie die „Moritat von Mackie Messer“ stehen auf dem Programm, unterwegs gibt’s auch mal ein „Vater unser“. Manchmal übernimmt Eva-Maria das Mikrofon oder Marie Biermann, Tochter von Ninas Ziehvater Wolf Biermann. Nicht zum ersten Mal glänzt die 61-Jährige Hagen übrigens als Brecht-Sängerin. Schon 1999 gab sie eine famose Mrs Peachum in einer „Dreigroschen-Oper“ mit dem Ensemble Modern. Bald 20 Jahre später ist ihre Stimme weiter nachgedunkelt, geprägt von intensiv gelebten Zeiten. Brecht passt dazu noch immer gut – fast zu gut: Hagens „Brecht-Lieder zur Klampfe“ wirken teils ungewöhnlich brav. Für Ninas Alter Ego als Punkrockerin wäre das Wohnzimmer wohl auch der falsche Ort. Man muss es einsehen.

Berliner Ensemble Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, Di 9.1., Do 9.2., Di 21.2., 20 Uhr, VVK 19,50 €

Bewertungspunkte3