Kultur & Freizeit in Berlin

Olaf Metzel in der Villa Schöningen

Mit der Werkschau "Umsonst und draußen" stört der Bildhauer Olaf Metzel die Wannseeidylle.

Olaf Metzel in der Villa Schöningen

Sicher fühlen sich die Besucher der Villa Schöningen, die beim Kaffee auf der schattigen Sommerterrasse verweilen. Dabei sitzen sie mitten in der Schusslinie. Etwas versteckt hinter zwei Blutbuchen hat Bildhauer Olaf Metzel eine gigantische Waffe auf sie gerichtet. Das in Eisen gegossene „Idealmodell PK/90“, eine überdimensionale Nachbildung der Dienstwaffe (west-)deutscher Polizisten, sorgte schon im Entstehungsjahr 1987 für Aufregung, als Metzel sie im Garten des Kanzlersamts platzierte. War Mitte der Achtziger die Macht der Exekutive Inspiration für seine Skulptur, so ist ihre Wirkung heute gleichermaßen aktuell. Die unkontrollierbare Gewalt, die überall auf der Welt über Unschuldige hereinbricht, scheint ebenso schrecklicher Alltag geworden zu sein wie Deutschlands Rolle als Waffenexporteur. So bewusst, wie Metzel die Mündung der Knarre in Szene setzt, die zusammen mit der Bronzestatue einer nur mit Kopftuch bekleideten Nackten („Turkish Delight“, 2006) und fünf weiteren Werken die Gartenidylle stören, platziert er seine Werke im Inneren der Villa. Die Collagen-Serie „Flechtheim“ zur Geschichte des jüdischen Kunsthändlers ist in jenem Raum zu sehen, der einst dem jüdischen Bankier und Villa-Besitzer Paul Wallich als Bibliothek diente. Wer nicht um die Historie des denkmalgeschützten Prachtbaus an der Glienicker Brücke sowie um die Entstehungsgeschichte von Metzels Kunst weiß, dem bleibt manch spannender Bezug verborgen. Das Wandeln zwischen Blutbuchen und Apfelbäumen hallt jedoch nach. Sicherheit ist nirgendwo.           

Text: Verena Manhart

Foto: Trevor Good 2014

tip-Bewertung: Annehmbar

Olaf Metzel
in der Villa Schöningen, Do+Fr 11–18 Uhr, Sa+So 10–18 Uhr, bis 26.10.

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