Fine Dining

Orania in Kreuzberg

Am Schweineschwanz gepackt: Philipp Vogel ist Küchenchef im Orania im Herzland von SO36. Etwaigen Gentrifizierungsdebatten begegnet er mit einem offenen Gastrokonzept

Foto: Orania Berlin

Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Und doch war es im Falle dieses tatsächlich beeindruckenden Restaurants doch andersherum. Ein Ableger des noblen Schloss Elmau am Kreuzberger Oranienplatz? Interessiert hatte das bis zur Eröffnung niemanden. Dann wurde die Debatte plötzlich durchs Dorf getrieben. Sogar ein Bezirksstadtrat echauffierte sich. Dabei hatte diese Kaufhausbrache lange niemanden interessiert. Nun also ist eine neue Nutzung gefunden. Eine Luxusherberge gewiss, aber eine der leiseren Sorte, betrieben von Menschen, die den Dialog mit dem Kiez durchaus glaubwürdig verkörpern.

Philipp Vogel, der Küchenchef und gleichzeitig Hotelmanager, tat gut daran, seinem Restaurant kein strenges Menü-Konzept aufzuerlegen. Und wird das Orania den selbsterhobenen Anspruch eines ambitionierten, lässigen Kultursalons (dreimal in der Woche soll es künftig Konzerte geben) erst noch beweisen müssen, im Restaurant klappt diese Nonchalance schon gut. Reinkommen auf einen Wein und einen Teller. Oder bleiben für vier kluge Gänge von einem Koch, der dem Palais Hansen in Wien einen Stern erkocht hatte. Sein Signatur-Dish, einen in Textur wie Aroma beeindruckenden Schweineschwanz, hat er mit nach Berlin gebracht. Ansonsten wird Zeitgenössisches produktfokussiert und handwerklich perfekt umgesetzt. Zentrales Element: Sharing-Gerichte, die sich jeweils ein Produkt und eine Länderküche zum Thema nehmen. Das Rind (32 Euro pro Person, Foto) kommt südamerikanisch als Taco, Carpaccio und kurzgebraten, mit Mais, Chilischoten und gegrillter Melone.

Von den Desserts hat uns das Speckeis von der Barkarte (mit krossem Bacon) am besten gefallen: eine exzentrische Umami-Bombe. Solche Pointen passen gut in einen Laden, der auch personell angenehm kommunikativ aufgestellt ist. Sympathisches, versiertes Team um Restaurantleiter Johannes Linster (ex Sra Bua), angenehm bourgeois-hippieske Atmosphäre. Ein auf seine Weise kühner Ort, der noch von sich reden machen wird.

Orania Oranienplatz 17, Kreuzberg, Tel. 69 53 96 80, Mo–So 18–23 Uhr, www.orania.berlin

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