Regional & Saisonal

Paulinski Palme in Neukölln

In Rixdorf gibt es eine Wohlfühlwirtsstube, die es bei aller Nonchalance doch ernst meint mit dem Essen und mit der Moral: das Paulinski Palme

Patrycia Lukaszewicz

Berlin ist doch auch nur ein Dorf. Und selbst wenn das am Ende doch nicht stimmen sollte, so sieht es in der Richardstraße, Ecke Kirchgasse, doch ganz danach aus. Geduckte Giebeldächer, Kopfsteinpflastergassen, Gartenzäune. Vielleicht hilft so eine Umgebung, um auch auf den Tellern so ganz bei den regionalen und saisonalen Tatsachen zu bleiben. Indes: Die beiden Gastgeber Paul Adam und Max Schippermann sowie die Köche Pascal Witzkewitz und Laris Langer kennen sich etwa aus dem seligen Katerschmaus, Berlins prototypischem Club-Restaurant der späten Technojahre. Zeitgenössisch und produktvernünftig zu arbeiten, das hat man also auch schon in Abbruchhäusern gemacht. Der erste eigene Laden ist nun umwerfend einladend, ohne auch nur für einen ­Moment ins Kitschige oder Affirmative zu gleiten. Klare Farben, viel Holz, ein paar Gründerzeitmöbel und lebendiges Grün: Das hier ist nicht Instagram, das ist eine Wirtsstube, wie sie jeder Nachbarschaft nur zu wünschen ist.

Bis 17 Uhr gibt es Frühstück, das so heiß und so handwerklich ausfällt, dass es längst auch zum Lunch taugt. Zum Tage vertrödeln taugt es sowieso. Am Abend hält die kleine Karte Leibspeisen bereit. Ein in seinen Aromen klar herausgearbeitetes Vielerlei aus Wintergemüsen beispielsweise (14 Euro), Kohlblätter, die lange genug einen Grill gesehen haben, ­Sautiertes, Fermentiertes, Leckeres. Oder ein Gulasch vom Weideochsen (und vom „Blutwurst-Metzger“ Benser in der direkten Nachbarschaft) mit ­einem fast ätherischen Weißkohlsalat und großartigen Piroggen (22 Euro). Die Vorspeisen­platte mit hausgemachten Obatzter, Bergkäse, Schinken und vor allem fermentierten oder eingelegten Gemüsen taugt als Starter oder begleitet den Wein, über den gleich noch zu reden sein wird. Auch einen Burger gäbe es (9,50 Euro). Und der ist ganz anders und so viel besser als das Neuköllner Burgerklischee.

Ins Glas? Kommt handfestes, nie überkan­dideltes Bier aus Berlin oder vom Tegernsee. Vor allem aber entdeckungsdurstige Weine. Vom Franken Stefan Vetter etwa oder Spontanvergorenes von Horst Hummel, dem Berliner Rechtsanwalt mit den Reben in Süd­ungarn. Weshalb dieses Paulinsky Palme eben auch eine Weinbar ist. Berlin braucht mehr solcher Orte, denen das Essen so wichtig ist, dass sie es dermaßen alltäglich verpacken.

Paulinski Palme Richardstr. 76, Neukölln, Mo – Sa 10 – 0 Uhr, www.paulinskipalme.de

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