Stadtleben und Kids in Berlin

Pflanzaktion vor dem Reichstag Berlin

Ben Wagin macht mit einer Pflanzaktion auf die Toten im Kampf um den Reichstag 1945 aufmerksam

Ben Wargin
Künstler sind sowieso hart­näckig. Aber Ben Wagin ist einer der hartnäckigsten. Und der robustesten. Im November hat er 27.000 Tulpenzwiebeln gepflanzt. Er war ein biss­chen heiser. Schließlich ist Wagin inzwischen 78 Jahre alt. Doch im kommenden Frühjahr soll das Wort „Tote“ in sechs Meter großen Lettern auf dem Areal zwischen Reichstag und Haus der Kulturen zu lesen sein, zum Gedenken an die vielen tausend Toten, die bei der Schlacht um den Reichstag starben. „Stalin hatte der Roten Armee den Auftrag gegeben, dass der Reichstag am 1. Mai erobert sein muss. 36 Stunden hat die Schlacht gedauert“, sagt Ben Wagin. Erst sollen die Tulpen blühen. Danach wird er Sonnenblumensamen aussähen und so das Wort „Tote“ schreiben.
Mit Installationen ist Ben Wagin bekannt geworden, mit der Galerie „Weltbaum II“ am Savignyplatz. Und dem „Parlament der Bäume“, das in der Nähe des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses an die Mauertoten erinnert. An dieses Gedenken knüpft die aktuelle Aktion an. Schon 1961 und 1963 war Wagin am internationalen Bildhauersymposium in Berlin beteiligt. Die Skulpturen sind damals in Reaktion auf den Mauerbau entstanden und stehen heute zwischen Reichstag und dem Veranstaltungszelt Tipi. Auch hier hat er Tulpenzwiebeln gepflanzt. Bei Ben Wagin sind die verschiedenen Arbeiten miteinander verknüpft, auch wenn sie Jahre auseinander liegen und das oft erst auf den zweiten Blick deutlich wird. Auf diese Verbindungen besteht er. Hartnäckig.

Text: Stefanie Dörre

Foto: Christina Goers

 

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