Theater und Bühne in Berlin

Piano City: Interview mit Paul Cibis

Zur Piano City Berlin im Oktober finde viele Konzerte in privaten Wohnzimmern statt. Wir haben die Pianisten gefragt, was sie an der Teilnahme gereizt hat, zum Beispiel

Piano-City_Paul-CibisWie sind Sie zum Klavierspielen gekommen?
Mein zwei Jahre älterer Bruder hatte mit dem Klavierspielen begonnen, was mir, wie mir später erzählt wurde, wohl nicht sehr gefiel. Ich mochte nicht, wenn er übte, denn ich wollte seine Stücke selber spielen. So bekam ich dann Unterricht – und mein Bruder wechselte recht bald das Instrument und lernte Klarinette.

Was fasziniert Sie daran, ein Konzert im eigenen Wohnzimmer zu geben?
Dass es ein Wohnzimmer ist, ist für mich nicht das entscheidende, denn private Hauskonzerte oder Probedurchläufe von Programmen habe ich schon öfter gespielt – und auch bei mir schon veranstaltet. Aber wirklich neu ist in der Tat, dass dieses Mal ja nicht eingeladene Freunde kommen, sondern dass es ein öffentliches Konzert ist, bei dem vollkommen fremde Menschen zusammenkommen, ganz so wie bei einem normalen Konzert in einem großen öffentlichen Konzertsaal. Das macht es ja auch so spannend für die Besucher, denn man kennt sich vorher nicht, und doch ist der eigentliche Rahmen so ungewöhnlich intim. Hinzu kommt, dass man ja beim Pianisten selber zu Gast ist, und nicht bei einer dritten Person, die „nur“ Gastgeber ist! Ich möchte auf jeden Fall auch zwei oder drei andere Kollegen in ihrer Wohnung besuchen.

Können Sie ein paar Stücke aus Ihrem Programm verraten oder zumindest die Stilrichtung oder einen Komponisten?
Beethovens bekannte „Mondscheinsonate“ wird zu hören sein, ebenso Debussys „Clair de lune“, desweiteren einige Werke von Chopin und ein ganz außergewöhnliches Stück aus jüngerer Zeit, welches von meinem Lehrer Peter Feuchtwanger geschrieben wurde. Es ist stark von iranischer Musik beeinflusst und lässt das Klavier auf vollkommen ungewöhnliche Weise erklingen.

Haben Sie Lampenfieber? Wie fühlt sich das an?
Natürlich, eigentlich immer – mal mehr, mal weniger. Das hängt immer davon ab, wie gut vorbereitet ich mich fühle. Am stärksten ist es so in den zwei-drei Stunden vorher. Wenn alles gut verläuft, dann verwandelt sich das Lampenfieber in den letzten Minuten vor dem Konzert oder während der ersten Minuten auf der Bühne in eine starke Konzentration. In dieser Form ist Lampenfieber positiv, ja, vielleicht sogar nötig, um diese entscheidende Konzentration zu erreichen. Es kann sogar „gefährlich“ werden, wenn es ganz ausbleibt. Denn meist sind die Konzerte, die man ohne Lampenfieber beginnt, die, in denen man nicht so fokussiert ist und einem dann viele unnötige Fehler unterlaufen. Aber natürlich darf das Lampenfieber nie in eine wirkliche Auftrittsangst oder Panik umschlagen.

Was reizt Sie als professioneller Musiker an diesem Projekt?
Wie oben schon erwähnt, ist es vor allem diese ungewöhnlich Situation, in der man auf sein Publikum trifft. Man wird sich unweigerlich genauer kennenlernen, wobei das Publikum da weit im Vorteil liegt. Außerdem ist es schöner Gedanke, ein Teil dieser tollen Idee zu sein, möglichst eine ganze Stadt an einem Wochenende in Klaviermusik erklingen zu lassen.

Was kann „Piano City“ für Berlin und seine Bewohner bewirken?
Es ist eine großartige Idee, denn letztendlich führt es die Klaviermusik wieder in den Rahmen zurück, in dem sie und für den sie mal entstand. Zumindest ein Großteil des klassischen Repertoires ist ja – wenn nicht sowieso ganz ohne Anlass, nur aus einem inneren Bedürfnis heraus – für kleinere Aufführungen im privaten Rahmen geschrieben worden. Einen Konzertbetrieb wie heutzutage gab es ja noch gar nicht. So ist es doch toll, dass sich hiermit neben den Veranstaltungen und Festivals in den großen „Musiktempeln“ auch ein nicht minder kleineres aber eben privateres Festival etabliert, welches ganz nah dran ist, sowohl am Künstler als auch am Publikum.

Piano City Berlin vom 22. bis 24.10.2010 

 

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