Potsdam

Picassos Spätwerk im Museum Barberini

Das Museum Barberini will mit der Ausstellung „Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso“ zeigen, wie frisch auch noch das Spätwerk des Jahrhundertkünstlers ist

Pablo Picasso: Liegender Akt mit Blumenkrone, 1970 (c) Claude Germain / Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019

So ganz rar sind Picasso-Ausstellungen nicht, allein im deutschsprachigen Raum kann man sich gerade das Frühwerk in Basel, das druckgrafische Werk in Frankfurt und jetzt aktuell das Spätwerk in Potsdam anschauen. Aber es ist auch ein langes Künstlerleben mit geschätzt 50.000 Arbeiten, das da immer wieder neu entdeckt und verhandelt werden will. Noch dazu eines, das die Kunst zu seinem kubistischen Beginn völlig neu aufgestellt hat und in seiner Mitte mit Arbeiten wie „Guernica“ (1937) bis heute für die Schrecken des Krieges steht.

Dem Spätwerk hingegen, auch als „Jacqueline-Phase“ bekannt, ist in der Rezeption durch die Zeitgenossen des 1973 verstorbenen Großkünstlers viel Unrecht getan worden – sagt jedenfalls der Gastkurator der aktuellen Ausstellung im Barberini, Bernardo Laniado-Romero. Der ehemalige Direktor des Picasso-Museums in Barcelona, der dieses Spätwerk sehr gut kennt, will diese Zeit heute positiver bewertet wissen, nämlich weniger als das wirre und übersexualisierte Werk eines alternden Mannes, für das es einige Kritiker gehalten haben – und immer noch halten. Sondern mehr als das Ouvre eines Künstlers, der auch 1960 noch auf der Höhe der Zeit war.

Dafür hat er aus der Sammlung von Catherine Hutin, der Tochter von Picassos zweiter Ehefrau Jacqueline, der Namensgeberin eben dieser Phase, 130 teils sehr sehenswerte Stücke zusammengestellt. Diese fangen in einigen Arbeiten wie „Jacqueline in einem Sessel“ von 1962 auch tatsächlich den damaligen Pop-Art-Zeitgeist ein. Was aber noch verblüffender ist: einige dieser Werke sind, wie das Meisterwerk „Jaqueline mit angezogenen Beinen“ aus dem Jahr 1954 oder das Selbstporträt „Kopf eines Mannes“, 1971, bisher gar nicht oder nur einmal ausgestellt worden.

Auch viele andere der 130 Arbeiten wirken durchaus frisch und machen gute Laune, wie die wunderbare Atelier-Bilderserie „Le Californie“, die die lichtdurchflutete Stimmung seines Refugiums an der Côte d’Azur einfängt. Und die zudem die ganze Könnerschaft des Jahrhundertmalers in ein paar Strichen und Farbflächen spiegelt, ebenso wie einige ganz zurückhaltende Arbeiten in warmen, opaken Tönen, wie die einfach nur „Jacqueline“ genannte Porträt-Serie von 1954-55. Zumindest wirr ist an solchen strukturierten Arbeiten tatsächlich gar nichts.

Etwas anders könnte jedoch die erhoffte Neubewertung dieser Jacqueline-Phase in Bezug auf das Mann-Frau-Verhältnis gerade im heutigen Kontext ausfallen. Denn die kreative wie zwischenmenschliche, und durch die Kunst öffentliche, Beziehung zwischen einem 76 Jahre alten Mann und einer 30 Jahre alten Frau hat natürlich einen Beigeschmack, auch wenn man der Interpretation des Kurators Laniado-Romero folgt. Er spricht nur noch sehr ungern von einem Muse-Künstler-Verhältnis, sondern bezeichnet Jacquelines Einfluss eher als „Katalysator“ für Picassos Spätwerk – und wertet ihre Rolle damit durchaus zeitgenössisch auf.

Man muss dem aber bei aller zugestandenen Zartheit und Schönheit vieler der hier gezeigten Arbeiten nicht uneingeschränkt zustimmen und kann Picassos bekannt schwieriges Frauenbild weiter im Hinterkopf haben.

Museum Barberini Alter Markt, Humboldtstr. 5–6, Potsdam, Mi–Mo 10–19 Uhr, jeden 1. Do im Monat bis 21 Uhr, bis 16.6., 14/ erm. 10 € 3325