Mit Kind

„Pippi Langstrumpf “ in der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau

In der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau zeigt das Berliner KinderTheater Pippi Langstrumpf. Die kurzweilige Lindgren-Adaption ist eines der wenigen Freiluftprogramme für junge Theatergänger

Pippi_Langstrumpf_pippi_reitet_auf_c_BKT_PROMODas Pferd bekommt gleich beim ersten Auftritt einen Riesenapplaus. Erstens, weil es genau so dalmatinermäßig daherkommt, wie der Kleine Onkel aussehen muss: schwarze Punkte auf weißem Fell. Und zweitens, weil echte Tiere auf der Bühne eben eine Show für sich sind. Der Gaul hat während der folgenden 85 Minuten zwar nicht viel mehr zu tun, als stoisch unter begeisterten Kinderblicken sein Heu zu mampfen. Oder seine Reiterin mit den roten Zöpfen zur Pause in den Wald hinter den Kulissen zu tragen. Aber reicht doch! Diese „Pippi Langstrumpf“-Inszenierung auf der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau hat mit dem Pferd – das übrigens Nargos heißt und in der vorstellungsfreien Zeit in der Reitschule Waldblick in Dallgow lebt – einen echten Werktreue-Trumpf.

Die überaus kurzweilige Freiluft-Adaption des Astrid-Lindgren-Klassikers ist eine Produktion des Berliner KinderTheaters. Die junge Johanna Wagner spielt sehr frisch und rollengerecht rotzfrech die Titelrolle der weltberühmten Anarcho-Göre, die mit ihrem Koffer voller Gold in die Villa Kunterbunt zieht. Und die auf Autoritäten in Gestalt der Trottelpolizisten Klang und Kling oder der Amtsdame Frau Prysselius genau so pfeift wie auf das Lernen von Plutimikation in öden Klassenzimmern. Regisseur Andreas Schmidt und seine Kostümbildnerin Hanne Eckart lassen die Lindgren-Charaktere so quietschebunt und slapstickvergnügt lebendig werden, dass die kleinen Zuschauer gebannt und zuruffreudig dranbleiben. Wer also genug davon hat, mit seinen Kindern im Sommer von einem Badesee zum nächsten zu jetten und endlich wieder Kultur erleben will, sollte den Weg nach Spandau nicht scheuen.

Schon allein, weil die Alternativen rar sind. Erstaunlich zwar in einer Stadt wie Berlin, wo ja nicht alle Familien über die nötigen Mittel verfügen, sechswöchige Malediven-Urlaube zu buchen. Aber viel Bühnenprogramm für Kinder und Jugendliche wird während des Sommers nicht geboten. Klar, es gibt eine Handvoll unerschütterlicher Puppentheater, die der spielfreien Zeit trotzen. Aber wer Theater temperaturbedingt lieber draußen erleben will, dem steht neben der Zitadelle nur das Galli-Theater an der Oranienburger Straße offen. Das spielt – sofern es nicht aus Kübeln schüttet – in den schönen Heckmann-Höfen. Und zwar seine ganz eigene Adaption des Hans-Christian-Andersen-Märchens „Die kleine Seejungfrau“. Versprochen wird ein so poetisches wie sinnliches Elementar-Erlebnis: „Wallet, wallet, Wasserwesen!“ Klingt doch nach überaus angenehmer Abkühlung.

Ganz so magisch geht es in der Zitadelle bei „Pippi Langstrumpf“ zwar nicht zu. Dafür umso lustiger. Wer je erlebt hat, wie beispielsweise im Puppentheater zehnseitige Kinderbücher durch Drumhe­rum-Firlefanz auf eine zähe Stunde gestreckt werden, wird diese straighte Best-of-Inszenierung der Pippi-Abenteuer zu schätzen wissen. Vorlagengemäß freundet sich das Mädel mit den Nachbarskindern Thomas und Annika an (Gregor Marstaller und Antonia Weiher). Benimmt sich in der Kaffeekränzchenrunde von deren Mutter mit beherztem Griff in die Sahnetorte daneben. Und treibt Schindluder mit den Deppen-Dieben Donner-Karlsson und Blom (Armin Sengenberger und Christiane Marx), die es auf ihr Gold abgesehen haben. Am Ende fährt sogar die leibhaftige Hoppetosse mit schwarzem Piratensegel auf. Kapitän Langstrumpf lockt seine Tochter Richtung Südsee. Ein großer Spaß.

Und die Freilichtbühne an der Zitadelle bietet noch einen unschätzbaren Vorteil: Sie liegt am Nachmittag angenehm im Schatten. Da übersieht man auch gern kleinere Trübungen. Wie erstens das bei solchen Veranstaltungen übliche, kinderverlockende Merchandising. Mindestens werden die Sprösslinge einen nötigen, das Plakat der Vorstellung zu kaufen und es im Anschluss in langer Schlange von der Hauptdarstellerin signieren zu lassen. Und zweitens die Tatsache, dass Herr Nilsson nur ein Stoffäffchen ist. Pferd Nargos entschädigt dafür schließlich reichlich.

Text: Patrick Wildermann

Foto: BKT Promo

 

Pippi Langstrumpf (Berliner Kindertheater) Freilichtbühne an der ­Zitadelle Spandau, Am Juliusturm 62, Spandau, Karten-Tel. 62 70 59 26, www.freilichtbuehne-spandau.de

bis 18.8.2013


Die kleine Seejungfrau Galli Theater Oranienburger Straße 32, Spielort Heckmannhöfe, Mitte Karten unter www.galli-berlin.de

17.–21.7., 24.–28.7., 17 Uhr, weitere Vorstellungen im August

 

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