Unterwelten

Piranesis „Kerker der Phantasie“ in der Sammlung Scharf-Gerstenberg

In der Sonderausstellung „Kerker der Phantasie“ werden Piranesis „Carceri“ mit Werken aus der Sammlung Scharf-Gerstenberg und wenigen Leihgaben zusammen präsentiert

Foto: bpk / Nationalgalerie, SMB, Sammlung Scharf-Gerstenberg / Volker-H. Schneider

Zu den bekanntesten Werken des venezianischen Kupferstechers und Architekten Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) zählen die „Carceri d’Invenzione“, diese 16 Stiche imaginierter Kerker und Unterwelten. Jetzt sind sie in ihrer Gesamtheit in der Sammlung Scharf-Gerstenberg zu sehen. Die Ansichten dieser teils grotesken, teils monumentalen, immer gewitzt mit Perspektive und Wahrnehmung spielenden Tableaus ziehen den Blick in sich hinein und zwingen den Betrachter geradezu, sich auseinanderzusetzen, zu assoziieren, zu fabulieren. Platons Höhle kann man ebenso sehen wie expressionistische Filmarchitekturen oder M.C. Eschers grotesk-surreale Arbeiten. So oder so sind die „Carceri“, gerade in ihrer Gesamtheit, ein Ereignis.

In der Sonderausstellung „Kerker der Phantasie“ werden Piranesis „Carceri“ mit Werken aus der Sammlung Scharf-Gerstenberg und wenigen Leihgaben zusammen präsentiert, die alle den Topos des Kerkers im weiteren Sinne aufgreifen, von Goya über Honoré Daumier bis hin zu de Chiricos Idee des metaphysischen Ortes und zeitgenössischen Auseinandersetzungen wie Rosemarie Trockels „Gefangener deiner Selbst“. Insgesamt eine ziemlich düstere, aber unbedingt sehenswerte Sommerausstellung, bei der auch weniger bekannte Künstler zu entdecken sind, die sich ganz gleichberechtigt neben den großen Namen in diesem Gang durch die Unterwelten der Imagination einpassen.

Sammlung Scharf-Gerstenberg Schloßstraße 70, Charlottenburg, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11 –18 Uhr, bis 10.11., 10/ erm. 5 €