Pixies: Indie Cindy

Pixies: Indie CindyEine gewisse Anstrengung geht dem Hören der neuen Pixies-Platte voraus: Man sollte schon außer Acht lassen, was die Band vor 20 Jahren mit ihren vier kanonischen Noise-Pop-Alben für die Ewigkeit verkörperte. Auch nicht einfacher macht es die Nachricht, dass das erste Album seit 23 Jahren ohne Gründungsmitglied Kim Deal eingespielt wurde.
Mit purer Unvoreingenommenheit rechnen die Indie-Ikonen um Francis Black offenbar selber nicht; und so schlich sich das verbliebene Trio seit 2013 häppchenweise wieder zurück ins Geschehen: mit drei EPs. Die darauf enthaltenen Songs bilden auch den Kern von „Indie Cindy“. Darauf nehmen Francis und Co. die Fäden ungefähr dort auf, wo sie sie auf den späteren Platten wie „Bossanova“ oder auch Francis’ Solodebüt als Frank Black ausgelegt hatten: Surf-Gitarren werfen lange Schatten („Snakes“), schneller Punkpop kommt mit Ohrwurmmelodien daher („Greens And Blues“), Songs wie „Andro Queen“ baden in honig-zähem Hall. Das Spektrum von Joey Santiagos Effekt-Gitarren ist erfreulich vielgestaltig und reicht bis krachend aufgedreht, die Dynamikspanne reicht von heftig bis sanft. Nicht alles aber ist zwingend: Der Glam-Partyrocker „Blue Eyed Hexe“ ist spaßig, aber sonst nicht der Rede wert; dem P.I.L.-artigen „Bagboy“ mit seiner Elektroinfusion nimmt man das Angepisste von Francis’ Sprechgesang-Attacke nicht so recht ab. Generell ist die Stimme des Frontmannes runder an den Kanten geworden, was bis zu einem gewissen Grad auch für das Songwriting gilt. Das kompromisslos Wildwuchernde, das die Band einst kennzeichnete, hat sich verflüchtigt. Mag sein, dass es der Teen Spirit ist, der sich offenbar nicht über Dekaden bewahren lässt.
Damit reihen sich die Pixies ein unter andere Indie-Veteranen mit feinen kleinen Spätwerk-Platten wie Lou Barlow oder Bob Mould – realis-tische Referenzen anstelle des ständigen Bezugs auf den Rock-Olymp.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Pixies, Indie Cindy (Rough Trade)

Mehr über Cookies erfahren