Theater und Bühne in Berlin

Polleschs „Der General“ an der Volksbühne

René Pollesch räumt mit "Der General" an der Volksbühne die Bühne leer

DerGeneralSo eine leere Bühne ist auch mal was Schönes. Eben stand noch ein Panzer aus Sperrholz auf ihr, aber jetzt ist er weg und die Bühne gähnt leer und öd wie der Raum gewordene Horror Vacui vor dem weißen Rundhorizont (Bühne: Bert Neumann). Kein Wunder, dass Lilith Stangenberg in ihrem glitzernden Harlekin-Kostüm vorwurfsvoll auf die nackte Spielfläche zeigt und sich in eine Redekaskaden der sich entschlossen überschlagenden Gedankenketten katapultiert: „Der leere Raum – was für ein Elend! Er tut nur so, als öffne er sich für alles Mögliche! Ich kann mir hier nur das Unmögliche vorstellen. Es gibt keinen billigeren Kunstgeschmack als den leeren Raum!“

Renй Pollesch surft in „Der General“, seinem neuen Stück an der Volksbühne, mal wieder lustig und clever durch die Theaterästhetiken und Theoriebruchstücke. Diesmal hat es unter anderem den Großregisseur Peter Brook und sein einst kultisch verehrtes Buch „Der leere Raum“ erwischt. Brooks berühmte These, Theater brauche nichts als einen leeren Raum, also die Voraussetzungslosigkeit des Spiels, kann Pollesch, der prinzipiell jeder falschen Unmittelbarkeit misstraut, natürlich nicht gefallen. Also nimmt er die Metapher wörtlich, um sie spöttisch zu zerlegen. Schließlich will sein Theater nicht irgendwie pur und natürlich oder – ganz schlimm – authentisch sein.
Es stellt genau im Gegenteil die Theater-Künstlichkeit so deutlich wie möglich aus. Also hat sich Silvia Rieger als Geisha verkleidet, also zitiert und travestiert Lilith Stangenberg ziemlich hinreißend und komisch den gesamten Harlekin-Kitsch der Film- und Theatergeschichte. Und natürlich wird der Holzpanzer wie ein Sex-Partner angeflirtet, was für schön platte Kalauer sorgt: „Diese Typen sind die reinsten Panzer. Diese Panzer sind die reinsten Typen.“ Ansonsten geht es an diesem für Polleschs Verhältnisse geradezu melancholisch untertourigen Abend unter anderem um den Tod, die Utopie, Adorno, die Liebe, Foucault, Heterotopien und den Papst, warum auch nicht?    

Text: Peter Laudenbach
Foto: Lenore Blievernicht
tip-Bewertung: Annehmbar

Der General
Volksbühne,
z.B. Do 20.6., 19.30 Uhr;
Karten-Tel. 24 06 57 77

 

weitere Theater-Rezensionen:

Die Culti Multi Show im Wintergarten Varietй

Nina Hoss Abschiedsvorstellung am DT mit „Hedda Gabler“

Nicht jugendfrei: „Das 12-Spartenhaus“ im Prater

Lars Eidingers „Romeo und Julia“ an der Schaubühne

Robert Wilsons „Peter Pan“ am Berliner Ensemble

„Die Gladowbande“ am Maxim Gorki Theater“

„Mazzeppa“ an der Komischen Oper

Übersichtsseite Kultur und Freizeit in Berlin

 

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

[fbcomments]