Satirisches Drama 

Polnische Gesellschaftskritik: „Die Maske“ im Kino

Folgenreicher Unfall in der Provinz: In einer beinahe idyllischen Landschaft in der polnischen Provinz steht ein riesiger Christus ohne Kopf

Grandfilm

Für den Bauarbeiter Jacek wird die unvollendete Statue zu einem Höllenschlund. Er stürzt hinein, und als er wieder bei Bewusstsein ist, ist er nicht mehr er selbst. Er hat überlebt, aber sein Gesicht musste ersetzt werden. Er ist nun auf einem Auge praktisch blind und sieht ein wenig aus wie ein Elefantenmensch. Oder ein „Schweinegesicht“. So rufen ihn die Kinder im Dorf. Die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska erzählt in „Die Maske“ (der Originaltitel „Twarz“ bedeutet einfach Gesicht oder Antlitz) von einer Gesellschaft, in der die Katholische Kirche immer noch die zentrale Autorität ist. Jacek aber hat andere Gedanken. Er will weg, sieht sich schon in London. Es ist dann aber seine Freundin Dagmara, die weg geht – zuerst aus dem Dorf, dann von ihm, dem kaum mehr Wiedererkennbaren.

Malgorzata Szumowska gilt allgemein als die wichtigste Vertreterin des polnische Kinos nach Agnieszka Holland, und man kann an „Die Maske“ auch klar ersehen, warum das so ist: Mit ihrer distanzierten Erzählweise, in diesem Fall noch verstärkt durch eine eigenwillige Optik –Tilt-Shift lässt die Bilder immer wieder ins Unscharfe zerfließen und stellt nur einen Fokuspunkt ins Klare –, suggeriert sie eine kritische Position gegenüber einer Gesellschaft, die sich von Religion und ­Medien gleichermaßen verdummen lässt. Szumowskas künstlerische Außenperspektive wirkt in diesem Fall allerdings verächtlich.

Die Maske PL 2018, 91 Min., R: Malgorzata ­Szumowska, D: Mateusz Kosciukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Start: 14.3. 

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