Musik & Party in Berlin

Pothead im Huxleys

Erstmals in ihrer über zwei Jahrzehnte währenden Karriere geht die Band aus Berlin eines Bandmitglieds verlustig.

Pothead

Pothead sind so etwas wie die Motörhead Berlins: Gefühlt waren sie eigentlich schon immer da und dabei verlässlich wie ein Uhrwerk. In hektischen Zeiten wie diesen versprüht das Nestwärme und Geborgenheit. Nicht wenige Fans reagierten daher reichlich verstört, als sie sich unlängst damit auseinanderzusetzen hatten, dass Schlagzeuger Sebastian Meyer der Groove-Rock-Institution nach 18 gemeinsamen Jahren den Rücken kehrte. „Pothead ohne Seb ist wie Led Zeppelin ohne Bonham“, so schrieben sie sich im Band-Gästebuch die Enttäuschung von der Seele.
Ein paar Monate später lässt Bradley Kok im Pothead-Hauptquartier an der Jannowitzbrücke die Turbulenzen jener Zeit noch einmal Revue passieren. „Ja, auch ich hatte für eine Weile das Gefühl, dass ich etwas verloren habe“, sagt der Sänger und Gitarrist. „Aber dann habe ich mir gesagt, wir haben musikalisch so viel zusammen geschaffen, dass ich noch immer richtig begeistert bin. Insofern kann ich nicht negativ darüber denken.“ Über die Gründe des Splits will Kok nicht spekulieren. „Ich kann nicht für Seb sprechen, aber ich denke, dass er genug hatte und gern was anderes machen wollte“, sagt er. Trotz des durchaus drastischen Einschnitts habe Potheads Zukunft jedoch nie zur Disposition gestanden. „Unser Ziel war immer, Spaß zu haben und Konzerte zu spielen. Und wenn einer aussteigt, dann müssen die anderen eben weiterspielen“, umreißt der Hauptkomponist und -texter die Leitlinie, die er und sein Kompagnon Jeff Moore am Bass von Anfang an verfolgten. „The show must go on!“
PotheadDas wird sie nun, schließlich haben Pothead für den vakanten Posten recht schnell einen „coolen Kerl“ gefunden, wie Kok sagt. Jener coole Kerl sitzt neben ihm und heißt Nicolaj Gogow. Tief hat er seine schwarze Kapuze ins Gesicht gezogen, und als die Sprache auf seinen ersten Arbeitsnachweis, das dieser Tage erscheinende Album „Jackpot“, kommt, erstickt er jegliche Interpretationsansätze im Keim. Keineswegs habe der Titel mit ihm zu tun, dem neuen Trommler. „Er bezieht sich lediglich auf Black Jack und Kartenspiel, auf 17 und 4, eben 21. Denn so viele Jahre gibt es Pothead nun schon“.
Diese Klarstellung mag damit zu tun haben, dass Gogow sich mit einer durchaus pikanten Situation konfrontiert sieht: Er ist vor Kurzem bei Knorkator ausgestiegen, die kurze Zeit später wiederum Meyer als Ersatz präsentierten. „Hochemotional“ sei das alles, sagt Gogow dann auch und bestätigt damit die alte Weisheit, dass es mit Bands so ähnlich ist wie mit Beziehungen. Wer nun aber böses Blut zwischen den beiden Kapellen wittert, hängt die Nase in den falschen Wind. „Mich erinnert das vielmehr an meine Zeit im Seattle der frühen Neunziger“, sagt der Wahlberliner Kok. „Da hat im Endeffekt auch jeder mit jedem gespielt.“ Alles halb so wild, soll das wohl heißen. Und es gibt für ihn und seine Kollegen ja auch wirklich Drängenderes zu tun: Der erste Fanclub namens „Tonköpfe“ hat sich gegründet, mit dem man in Zukunft eng zusammenarbeiten möchte. Zudem gilt es, den neuen Proberaum in Schöne­berg einzurichten, vielleicht sogar zum Tonstudio auszubauen. Und nicht zuletzt ist da noch „Jackpot“, jene Platte, die zum Zeitpunkt des Gesprächs kurz vor der Übergabe ans Presswerk steht. Erste Hörproben dürften die Zweifler beruhigen: Mögen sich auch kleine Synthie-Samples eingeschlichen haben – zuvorderst blinken all die typischen Fixpunkte des Pothead-Universums auf: Dicke Riffs, widerhakende Hooks und schwelgerische Balladen. Bis Mitte Januar soll das Album fertig sein, dann, wenn das Trio wie jedes Jahr zum Heimspiel ins Huxleys lädt. Am Ende ist auf Pothead eben doch Verlass.

Text: Roy Fabian

Pothead, Huxleys, Sa 12.1., 20 Uhr, VVK: 25 Euro zzgl. Gebühr

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