Kommentar

„Problem-Coup“ von Stefanie Dörre

Mit unserer Beziehung zum Kulturangebot ist es wie mit der zur Demokratie: Wir nehmen beide als Selbstverständlichkeiten wahr

Stefanie Dörre

Doch die politischen Ereignisse dieses Jahres haben gelehrt, dass die Demokratie eine Errungenschaft ist, um die wir uns bemühen müssen, sonst gerät sie uns abhanden. Nun kommt – vielleicht – eine Ausstellung, die jetzt schon zeigt, dass unser schönes Kulturleben nur in stabilen demokratischen Verhältnissen möglich ist: die Schau Die Teheran Sammlung. Diese Woche wird sich entscheiden, ob wir die 60 Werke der amerikanischen, europäischen und iranischen Moderne ab Januar in Berlin sehen werden. Der iranische Kulturminister ist ein neuer, alle alten Absprachen sind hinfällig. Was erst wie ein Coup wirkte, wird immer mehr zum Problem. Auch wenn die Arbeiten – um nur mal Pollock, Rothko, Bacon zu nennen – fantastisch sind. Gesammelt hat sie Farah Pahlavi, die Frau des Schah. Deshalb wird die Sammlung in kunstinteressierten Kreisen im Iran abgelehnt, das für den Ausstellungsdeal zuständige Auswärtige Amt wurde von iranischen Künstlern scharf kritisiert. Und: Der Direktor des leihgebenden Museums hatte erst im Sommer antisemitische Holocaust-Karikaturen prämiert, was Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf deutliche Distanz zu dem Vorhaben gehen ließ. Tatsächlich: Wir dürfen demokratische Grundsätze nicht unterlaufen, auch nicht für spektakuläre Exponate. Sollte die Ausstellung daran scheitern, dann sei es so. Denn erst der Rahmen Demokratie ermöglicht unser freies Kulturleben.

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