Dokumentarfilm

„Queercore – How to Punk a Revolution“ im Kino

Das schönste Bild des Films sind Stöckelschuhe, die bei einer Queer-Parade ein gefaktes Polizeiauto demolieren

Foto: Alice Wheeler

Es ist eines von vielen tollen Archivaufnahmen, die Yony Leyser („Desire Will Set You Free“) für seinen Dokumentarfilm über die Entstehungsgeschichte der-Queer-Bewegung im Nordamerika der 1980er-und 90er-Jahre ausgegraben hat. Der Film ist reich gefüllt mit Raritäten über die künstlerische Queercore-Bewegung, die in Toronto entstand und sich ab 1990 mit der New Yorker „Queer Nation“-Bewegung ergänzte. Als Künstler agierten und agitierten die kanadischen Queercorer als totale Anarchisten, da sie von der Schwulen- und Punkszene gleichermaßen abgelehnt wurden und ein Credo auslebten, dass die Performerin Penny Arcade im Film treffend auf den Punkt bringt: Queer ist nur der echte Außenseiter!

Prägende Figuren der Queercore-Szene Torontos waren Regisseur Bruce LaBruce und G.B. Jones, Mitbegründerin der feministischen Post-Punk-Band Fifth Column, die wiederum maßgeblich die spätere Riot Grrrl-Bewegung beeinflusste, wie Kathleen Hanna im Film klug zu erklären versteht. Leyser unterfüttert seinen Film mit vielen Interviews, von denen die meisten aufschlussreich sind, einige aber nur dem Namedropping dienen. Mitunter überstrapaziert Leyser auch sein persönliches Faible für LaBruce, mehr charmante Statements von John Waters („Gay is not enough!“) wären wünschenswert gewesen, zudem wird eine frühe Ikone des schwulen Travestie-Underground-Kinos wie Kenneth Anger überhaupt nicht erwähnt. Auch über einige abgestandene Thesen zur Punk-Kultur, die im Film resteverwertet werden, ließe sich trefflich streiten. Letztlich macht „Queercore“ aber große Lust, sich tiefer in die Geschichte dieser Bewegung zu begeben – und das ist eine Menge wert.

Queercore – How to Punk a Revolution USA 2017, 83 Min., R: Yony Leyser, Start: 7.12.

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