Theaterfestival

Radar Ost Digital präsentiert digitale Adaptionen der eingeladenen Gastspiele

Bei Radar Ost Digital empfängt Sie der Intendant noch selbst. Ulrich Khoun, Chef des Deutschen Theaters, steht auf dem Vorplatz seines Theaters und begrüßt die Gäste. Doch so wie sich das Publikum nicht real, sondern von seinem Zuhause aus in den dreidimensionalen digitalen Nachbau des DT kommt, ist auch der Intendant nur ein Avatar, der ein kleines Tutorial zur Funktionsweise der Plattform gibt. Und die ist eine Klasse für sich – stellt gleichwohl aber keine hohen Anforderungen an Software oder Equipment der Besucher.  

„Macocha“ aus Tschechien
Die Inszenierung „Macocha“ aus Tschechien. Foto: Marta Sobotkova

„Alles ist mit PC, Tablet oder Smartphone und Browsermitteln zu bedienen – also mit der Technologie, die die Leute sowieso bereits haben“, sagt der Medienkünstler Björn Lengers von Digitaltheaterkollektiv CyberRäuber, die maßgeblich dabei geholfen haben das ganze Theater in den virtuellen Raum zu verlegen. „Uns war schnell klar“, erklärt „Radar-Ost“-Kuratorin Birgit Lengers, „dass reines Streaming von Produktionen kein Festivalgefühl ergibt. Es muss eine Verbindlichkeit und eine räumliche Komponente haben, eine Verortung. Wir möchten Räume der Begegnung schaffen.“  

Und so betritt der Zuschauer also wie auch im wirklichen Leben das Theater vom Vorplatz aus und kann sich dann darin wie auf einem Parcours durch die Räume bewegen, in die er durch Anklicken gelangt. Dabei kommt er auch an Orte, die gewöhnlich fürs Publikum verschlossen sind: die Maske etwa, Schauspielergarderoben, den Kühlraum der Kantine, sogar ins Intendantenbüro kann er sich begeben.  

Radar Ost Digital: Es geht um Frauenbilder und Rollenzuschreibungen

Überall begegnen ihm extra erstellte digitale Adaptionen der ursprünglich für das Festival kuratierten Theaterproduktionen aus der Ukraine, Ungarn, Russland und Tschechien. Das sind nicht unbedingt reine Streams. Die eingeladenen Gruppen und Theater haben 360-Grad-Aufnahmen, Greenscreen-Aufzeichnungen oder 3D-Abbildungen produziert, die in die Räume projiziert werden. So ist der Gang durch dieses digitale Spielbrett des DT auch eine kleine Reise durch Osteuropa: Schauspielende und Adaptionen der Produktionen „Macocha“ aus Tschechien, „28 Tage“ vom Moskauer Teatr.doc, „Queendom“ vom Budapester Sín Arts Centre, „Bad Roads“ vom Kiewer Left Bank Theatre und „Lost Paradise“ von der ukrainer Gruppe Hooligan begegnen den Flanierenden.

„Queendom“ vom Budapester Sín Arts Centre
„Queendom“ vom Budapester Sín Arts Centre. Foto: Robert Revesz

Es geht um Frauenbilder, Rollenzuschreibungen, den Ukrainekrieg und sexuelle Gewalt – alles aus weiblichen Perspektiven: die Inszenierungen stammen allesamt von Regisseurinnen. 

An manchen Orten wie natürlich der Bar können die Zuschauer auch miteinander und mit Beteiligten des Festivals ins Gespräch kommen – im „Spacial Chat“. „Dabei bewegt man man sich mittels eines Ich-Bilds durch den Raum“, erklärt Björn Lengers, „wenn du dicht bei einer Person bist, kannst du ihr Gespräch hören und mit ihr interagieren.“ Das ist dann wie in einer Kneipe, wo man sich konkret nur mit einzelnen unterhält, während man die anderen Gäste aber als Hintergrund wahrnimmt.  

Potenziell kann man drei Tage lang nonstop ins digitale überführte Theaterkunst erleben. Und das alles für umme: Der Eintritt ist frei.

19.-21.6., radarost.digital


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