Queer Cinema

„Rafiki“ im Kino

Das Leuchten der Liebenden: Der in Cannes bejubelte „Rafiki“ erzählt vom Verliebtsein zweier junger Frauen in Nairobi. Nicht bloß gut gemeint, sondern wahnsinnig gut gemacht

Salzgeber

Diese Farben, wow! Man kann nicht über „Rafiki“ sprechen, ohne von der überwältigenden Leuchtkraft seiner Farben zu schwärmen – und wohl auch nicht ohne zu sagen, dass „Rafiki“ der erste kenianische und überhaupt ostafrikanische Spielfilm ist, der in Cannes lief. In Kenia indes wurde der Film prompt verboten, bevor ein Gerichtsurteil die Vollzensur wieder aufhob.
Warum der Skandal? „Rafiki“, was auf ­Swahili Freund oder Freundin heißt, erzählt von der Liebe zweier junger Frauen. Weibliche Homosexualität ist in Kenia zwar, anders als männliche (auf die bis zu 14 Jahre Gefängnis drohen), keine Straftat, aber dennoch gesellschaftlich geächtet.

In„Rafiki“ also verlieben sich Kena und Ziki am Ende ihrer Schulzeit ineinander. Kena scheint zunächst eher die Vorsichtige zu sein; und Ziki mit ihren lila Rastalocken die Draufgängerin. Das Drehbuch, das obendrein viele interessante Nebenfiguren einführt (und mit ihnen Themen wie Religion und Feminismus), ist aber zu klug verfasst, um es bei dieser schlichten Typisierung zu belassen. Wie die beiden Frauen sich einander nähern, ist mit einer solchen Energie fotografiert, dass man schnell sieht: Dieser Film ist nicht bloß gut gemeint, sondern, ein Glück, tatsächlich wahnsinnig gut gemacht, auch dramaturgisch und ästhetisch. Den Plot treibt es zu Shakespeare-Schärfe, da die Papas von Kena und Zeki Wahlkampf gegeneinander führen, die Familien also ohnehin verfeindet sind. Das hätte leicht platt wirken können, tut es aber nicht.

„Rafiki“-Regisseurin Wanuri Kahiu ist die große Stimme der popkulturellen Strömung Afrobubblegum, die Afrika nicht als leidenden Problemkontinent, sondern selbstbewusst mit Drive und Good Vibrations zeigen will. Daher auch besagte Leuchtfarben. Man sollte nun aber nicht meinen, „Rafiki“ sei ein naiver Feel-Good-Movie, hakuna matata: Die Szene etwa, in der ein aggressiver Mob über die Liebenden herfällt, ist mit einer beängstigenden Brutalität gezeichnet, die einem die Kehle zuschnürt. Jeder Mensch sollte diesen Film sehen.

Rafiki KEN 2018, 83 Min., R: Wanuri Kahiu, D: Samantha Mugatsia, Sheila Munyiva, Start: 31.1.

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