Musik & Party in Berlin

„Rappidemmi“ mit Cro im What?!-Club

Die Rappidemmi-Macher präsentieren in ihrer HipHop-Party-Reihe diesmal das Youtube-Phänomen Cro. Wir sprachen mit dem jungen Mann, der sich konsequent hinter einer Panda-Maske verbirgt.

cro_promoSchrecklich, diese große Stadt, wo man immer U-Bahn und Taxi fahren muss. Es dauerte eine Weile, bis Cro sich daran gewöhnt hat, dass man hier nicht überall zu Fuß hingehen kann. Berlin ist nicht Stuttgart. Und Cro ist nicht Bushido. Cro mag es gemütlich. Aber er war jetzt ein paar Mal zu Besuch und er mag  es langsam, wegen der vielen Graffitis an den Hauswänden und dieser Attitüde der Berliner. „Die wollen immer ein bisschen anders sein“, sagt er. Das gefällt ihm. Cro ist die „Zukunft des Deutschrap“, zumindest sagt das Jan Delay. Cro sagt: „Total krass.“ Und: „Oh Gott, oh Gott, oh Gott!“ Er habe ein bisschen Schiss bekommen, als er das zum ersten Mal gehört hat. Cro hat noch nichts veröffentlicht, was man verkaufen kann. Seine Musik stellt er ins Internet. Man kann sie herunterladen, ohne dafür zu bezahlen. Aber als er im vergangenen November sein erstes Video auf Youtube hochlud, wurde es allein in den ersten zwei Wochen eine halbe Million Mal angeklickt – und bis heute über 3,3 Millionen Mal.

Der Song zum Video heißt „Easy“ und geht so: „Ich chill’ im Bett mit ’ner Chic, die sieht aus wie die Sis’ von Beyoncй, doch eigentlich geb ich n’ Fick auf Frau’n wie Eazy-e, okay, das mit den Chics tut mir leid, es war nicht so gemeint, kannst Du mir noch mal verzeih’n?“ Die Musik dazu hört sich an wie Sommer. Leicht. Cros Problem mit den bösen Rapjungs, die in ihren Texten Mütter und Ärsche ficken, ist nicht persönlich gemeint. Es ist nur einfach so, dass er nicht lügen könne, sagt Cro. „Ich hatte eine schöne Kindheit, ich habe niemals verloren.“ Der Aggro-Gestus würde bei ihm zur Maske werden, die niemals so gut sitzt wie die, die er sich tatsächlich über den Kopf stülpt, sobald er in die Öffentlichkeit tritt: ein Pandabärenkopf. Der guckt zwar etwas grimmig. Cro hat ihn aber ausgesucht, weil der Panda doch so ein „stylishes, süßes Tier“ sei. Manchmal versuche er etwas Trauriges zusammenzubasteln. „Dann versinke ich so total in einer matschigen Stimmung.“ Und dann schreibt er doch wieder etwas Leichtes. Das Grundgefühl muss stimmen. „Und ich bin nun mal ein liebes Weichei.“

Als Cro den 105 000. Fan auf Facebook bekam, stellte er einen neuen Gratis-Download ins Netz und fuhr einen Abend lang Pizzas durch Stuttgart. Als Dankeschön an seine „Panda-Banda“. Die Fans konnten die Pizza Cro mit einer E-Mail an sein Plattenlabel Chimperator Records zu sich bestellen. Vier Tage später hatte er 10 000 Fans mehr. Derzeit wohnt er gerade wieder ein bisschen zu Hause. Cro ist erst 19 Jahre alt, hat einen Realschulabschluss in der Tasche und eine abgeschlossene Ausbildung. Er wollte gerade anfangen, seine Fachhochschulreife nachzuholen, als er berühmt wurde. Das muss jetzt also erst mal warten, und Cro sitzt statt im Klassenzimmer mit Casper im Studio oder hängt mit Schowi von den Massiven Tönen ab.
Im Haus seiner Eltern hat Cro einen Keller, in dem er seine Lieder schreiben kann. Zwischendurch geht er mit dem Hund spazieren. Sein Opa, sagt er, habe Bilder gemalt. „Von dem habe ich wohl mein kreatives Händchen.“ Seine Mutter spielt Klavier und Gitarre und schickte auch ihren Jungen zum Klavier- und Gitarrenunterricht, weil der sowieso schon auf allem herumtrommelte, das er finden konnte. „Aber am besten bin ich an der Triangel“, sagt Cro. Jedenfalls mag er es nicht, einfach auf irgendeinen Beat drauf zu rappen, der nicht von ihm kommt. „Das bin dann nicht ich“, sagt Cro und guckt also lieber selbst, welche Akkorde „geil“ klingen. Im Moment hört er gerne James Blake.

Es ist grün da draußen in diesem Stuttgarter Vorort, „ein bisschen ländlich“ sagt Cro und dass er das immer schon gemocht hat: abends zum Ausgehen in die Stadt fahren und dann im Morgengrauen wieder nach Hause. Zuhause. Das ist jetzt eben auch das Internet. Und im Moment ist die Bühne dabei, eine zu werden, nach ersten, etwas wackligen Gehversuchen des virtuellen Rap-Stars in der Realität. Gerade stand Cro noch in kleinen Jugendhäusern, auf einmal tourte er mit Madcon durch riesige Hallen in ganz Deutschland. Und keiner kannte ihn, den „blöden Idioten mit der Maske“. Es war furchtbar. Jetzt, sagt Cro, ist er vor jedem Auftritt „on fire“, ist er ganz heiß darauf, rauszugehen, live zu spielen. Ach ja, die Maske. „Die ist cool“, sagt Cro, „ich kann damit für mich bleiben.“ Maske runter, anderen Pulli anziehen, und schon kann er sich nach dem Konzert in die Menge mischen, niemand erkennt ihn. „Und dann“, sagt Cro, „bin ich wieder einer von euch.“

Text: Anne Lena Mösken

„Rappidemmi“ mit Cro (live) + Psaiko + Dino u.a. What?!-Club (Karl-Liebknecht-Straße 11), Sa 11.2., 23 Uhr  

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