Testosteron-Tanztheater

„Che Malambo“

Die Tanzshow „Che Malambo“ überträgt eine sehr maskuline Duell-Tradition aus der argentinischen Pampa in modernen Tanz

Foto: Diane Smithers

Wer beim Gaucho-Tanz an die berüchtigte Schmähchoreografie denkt, mit der 2014 einige damals frischgebackene Fußball-Weltmeister der deutschen Nationalmannschaft beim Empfang auf der Fanmeile am Brandenburger Tor den ­Finale-Verlierer Argentinien verspottet haben, liegt falsch. Der wahre Gaucho-Tanz ist zwar ebenso testosterongesättigt aber kein bisschen geschmacklos, sondern mit Schmackes. Malambo heißt dieser in der Pampa geborene wilde Tanz, außerhalb Argentiniens ist er im Gegensatz zum Tango kaum bekannt und innerhalb des südamerikanischen Landes wurde er lange als Hinterwäldlerfolklore belächelt.

Das ändert sich inzwischen sehr. Schuld daran ist ein Traum. Aus dem erwachte ­eines Morgens der französische Tänzer und Choreograf Gilles Brinas und wusste: „Ich muss Malambo machen. Meine Entscheidung war spontan und ohne Alternative.“ Dabei hatte Brinas, der zuvor bei renommierten Compagnien wie dem Ballet de l’Opéra de Lyon und Maurice Béjarts Ballet du XXe Siècle getanzt hatte, den Malam­bo bereits Anfang der 70er-Jahre in einer Revue im Pariser Lido kennengelernt. Seitdem ist er ihm aber nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Erst als er rund drei Jahrzehnte später seine Traumvision hatte, verkaufte er alles und fuhr nach Argentinien, mit nichts weiter im Gepäck als dem festen Willen, den Malambo zu erneuern. Ohne ein Wort Spanisch zu sprechen! Ein Balletttänzer aus Frankreich! Dabei ist der Gaucho-Tanz kein bisschen filigran. Er ist ein Wettbewerb, ein von Trommeln angetriebener Hahnenkampf der anderen Art.

Hier messen sich füßestampfend wilde Männer im Duell kombinierter Bewegungen, die sich „Mudanza“ oder „Zapateo“ nennen und erst in der Verbindung im Wettkampf zum Malambo werden. „Es ist Rock’n’Roll!“, sagt Brinas. „Der Malambo ist zuallererst Rhythmus, wild und voller Adrenalin. Der Tanz begleitet die Bombo, die argentinische Zylindertrommel, und nicht etwa umgekehrt.“ Brinas castete ausgerechnet in Buenos Aires, der Hochburg des Tango, die Tänzer für seine Show „Che Malambo“, in der Tradi­tion und zeitgenössische Choreografien erstaunlich gelungen zusammenfließen. Gilles Brinas hat auch die Boleadoras in seine Choreografien eingebaut, eine Wurfwaffe der Gauchos aus zwei durch ein Seil verbunden Steinen, hier Plastikbälle, die nun wirkungsvoll herumgeschleudert wird und dabei einen Rhythmus schlägt.
Seit 2005 tourt „Che Malambo“ erfolgreich durch die Welt und hat auch in seiner Heimat ein neues Interesse für diese tänzerische Kraftmeierei der Gauchos geweckt. Die weitgehend ohne Bühnenbild auskommende Show ­fokussiert ganz auf den Wetteifer der Männer im Kampftanz, in Solos, Duetten und Gruppenchoreografien. Ein äußerst dynamisches und kraftvolles Testosterontheater. Eine Wucht.

Komische Oper, Behrensstr. 55 – 57, Mitte, Di 24.– Sa 28.7., 20 Uhr, Sa 28.7. auch 15 Uhr, So 29.7., 14 Uhr, Eintritt 30,50–49 €