Lockerungen

Restaurants in Berlin dürfen wieder öffnen – aber lohnt es sich auch?

Immer wieder machten Gastronomen in ganz Deutschland und ganz besonders auch in Berlin, in den vergangenen Wochen auf ihre schwierige Situation aufmerksam: durch Corona waren viele Läden gezwungen, zumindest temporär zu schließen. Andere bauten in Windeseile einen Takeaway- und Lieferservice auf, wieder andere bauten sogar ihr Geschäftsmodell um. Jetzt sind Lockerungen angekündigt, Restaurants in Berlin dürfen zeitnah wieder öffnen und Gäste bedienen – aber unter strengen Regeln. Nur, lohnt sich der Betrieb dann noch überhaupt?

Restaurants in Berlin sollen wieder offen sein dürfen.
Restaurants in Berlin sollen wieder öffnen dürfen – aber wird sich das überhaupt lohnen? Foto: Imago/Steinert

Daeng Khamlao, Betreiberin des The Panda Noodle am Lausitzer Platz, ist sich da nicht sicher: „Für so einen Laden wie meinen weiß ich nicht, ob es finanziell rentabel sein wird.“ Ohne Bestuhlung draußen dürfte sie dann drinnen nur maximal vier Tische mit höchstens zwei Gästen haben.

Restaurants in Berlin dürfen wieder öffnen – ab Mitte Mai?

„Egal welche Lockerungen kommen, nichts wird an die Umsätze kommen, die man gerade braucht“, fährt sie fort. So eine geringe Anzahl an Gästen habe auch Auswirkungen auf den Workflow, sie bräuchte dann mehr Durchlauf, was sich auf die Gastlichkeit auswirke, und müsste vielleicht auch ihr Angebot begrenzen. Zeit zur Planung bliebe nicht viel, laut der aktualisierten Corona-Regelungen dürfen Restaurants ab 15. Mai wieder öffnen.

Ähnlich geht es Weiena Chan vom taiwanesischen Bistro Cozymazu im Wedding. „Wir haben einen Gastraum von 40 Quadratmetern“, berichtet sie. Wenn die Vorschriften wirklich, so wie kolportiert, nur einen Gast auf zehn Quadrametern erlauben, lohnt sich der Betrieb für sie eigentlich gar nicht. Sie ist sich sicher, dass es nicht ausreichen wird: „Wir werden auf jeden Fall mit Takeaway und Lieferservice weitermachen.“

Märkte als neue Einkommensquelle

Auch Khamlao hat eine zusätzliche Einkommensquelle erschlossen: an den Wochenenden veranstaltet sie einen Markt in ihrem Lokal mit Produkten befreundeter Produzent*innen. Den wird sie auch über die nächsten Monate erstmal weiter beibehalten. Vor allem für die involvierten Produzent*innen: „Zu viele Personen brauchen den Smells Like-Market, um gerade Geld zu verdienen – und es ist schön, auch mal was anderes zu machen.“

Auch das Restaurant Lode & Stijn am Paul-Lincke-Ufer wird seinen Wochenendmarkt und Bäckereibetrieb weiter beibehalten, erzählt Mitgründer Lode van Zuylen: „Vor der Krise kamen Hälfte unserer Gäste nicht aus Berlin, sondern vielleicht aus München oder London. Davon wird ein Großteil wegfallen, was uns zwingen wird, unser Konzept anzupassen“. Das sei aber gar nicht so schlecht, fährt er optimistisch fort.

Restaurants dürfen in Berlin wieder öffnen – aber es fehlt Vorlauf

Was ihn eher umtreibt: „Wir sitzen in einer existentiellen Krise, die uns alle umgeworfen hat. Und dann kommt gestern Abend ganz plötzlich die Nachricht, dass ab vom 9. bis 20. Mai die Gastronomie deutschlandweit stufenweise wieder öffnen darf.“

Besser wäre es gewesen, so van Zuylen, wenn es etwas Vorlauf gegeben hätte. Wenn zum Beispiel die Restaurants in Berlin diese Woche informiert worden wären, dass sie etwa ab dem 20. wieder öffnen dürften. „In unserem Fall und bei vielen anderen ist es so, dass wir eigentlich einen neuen Betrieb aufmachen“. Gerade erst hätten sie Takeaway-Verpackungsmaterial für die nächsten drei Wochen gekauft. Aber gleichzeitig freue er sich, wieder ein Stück weit zur Normalität zurückzukehren.

Normalität noch weit entfernt

Ob aber so etwas wie eine Normalität auch in den Köpfen der Gäste wieder zurückkehrt, ist fraglich. Mary Scherpe, Betreiberin des Onlineportals „Stil in Berlin“ und Gründungsmitglied des „Feminist Food Club“, berichtet von einer Umfrage, die sie auf ihrem Social Media-Kanal startete: von über 400 Teilnehmer*innen hielten es 42 Prozent noch für zu riskant, wieder Restaurants zu besuchen.

Natürlich ist die Umfrage nicht repräsentativ, aber gibt Hinweise auf die kommenden Wochen. „Im Moment werden die Lockerungen präsentiert als Rückkehr zur Normalität. Aber die Restaurants werden nicht so aufmachen, wie sie vorher waren. Und auch die Gäste werden nicht genauso wieder kommen“, meint Scherpe. Ja, die Außengastronomie soll wieder erlaubt werden, „aber sie wird nicht die Stellschraube sein, die Restaurants wieder zur Normalität zurückbringt und zu ihren früheren Umsätzen.“


Nicht nur Berliner Restaurants, sondern auch große Läden können mit Lockerungen rechnen: Nächste Woche alle wieder auf – mit diesen Regeln? Auch die Kneipen kämpfen, denn wegen Corona ist die gute alte Kneipe in Berlin bedroht. Die Zeichen stehen auf Veränderung in der Berliner Gastronomie: „Traditionelle Statussymbole haben sich überlebt“. Ihr wollt aktuelle Informationen zur Berliner Gastro-Szene? Folgt unserem Tip Berlin Food-Instagramkanal!

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