Filmessay

„Rhinland. Fontane“ im Kino

Wanderung zwischen den Zeiten: Mit „Rhinland. Fontane“ erkundet der in Berlin lebende Österreicher Bernhard Sallmann erneut brandenburgische Landschaften

Rhinland

Die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von Theodor Fontane sind ­eines der großen historischen und kulturhistorischen Dokumente über das Umland von Berlin. Fast 30 Jahre, zwischen 1862 und 1889, lagen zwischen den fünf Bänden, den Auftakt machte „Die Grafschaft Ruppin“.

Der aus Österreich stammende, aber schon lange in Berlin lebende Filmemacher Bernhard Sallmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wanderungen Fontanes mit der Kamera nachzugehen. Nun liegt der zweite Teil seiner Streifzüge vor: „Rhinland. Fontane“ ist die Fortsetzung von „Oderland. Fontane“, womit Sallmann die Reihenfolge der ersten beiden Bände bei Fontane umgedreht hat. Am besten sieht man sich aber ohnehin beide Teile an – man wird nicht nur Inspiration für Ausflüge finden, sondern vor allem auch ein ganz besonderes Kinoerlebnis.

Das Vorgehen von Sallmann sieht ganz einfach aus: Zu seinen Landschaftsaufnahmen ist die Stimme von Judica Albrecht zu vernehmen, die Ausschnitte aus Fontanes ­Büchern vorträgt. So zum Beispiel die Geschichte von einem Soldaten, der eine junge Frau verehrt, von ihr aber nicht erhört wird, worauf er sich zu einem (nicht tödlichen) Verbrechen aus Leidenschaft hinreißen lässt. Zu seinen Strafen gehört auch das „Gassen­laufen“ (eine Art Spießrutenlauf, über den Fontane sagt: „Damals waren die Rücken härter“). In einer wundersamen Wendung sehen das Mädchen und der Soldat einander später in Potsdam wieder, und dieses Mal ­erhört sie ihn.

Sallmann zeigt dazu die stillen Bilder ­eines Stadtplatzes, als eine Szene denkbaren (früheren) Lebens, aber auch als ein Bild, das sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart in einer Schwebe zu befinden scheint. Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.

In „Rhinland. Fontane“ kommt natürlich der Stechlin an prominenter Stelle vor, aber auch der Menzer Forst, von dem es heißt, dass er innerhalb einer Generation „durch die Berliner Schornsteine“ ging. Besonders interessant sind die Passagen zu der damals eine Weile boomenden Torfwirtschaft. Es mag eine ­kleine, hintersinnige Pointe in dem Umstand liegen, dass Sallmann mehrfach auf Geschichten von Boom und Ruin, also auf Konjunkturen eingeht. Zugleich aber macht er sich Fontanes Blick auf lange Zeiträume zu eigen: das kollektive Gedächtnis, das der reportierende Schriftsteller damals aufrief, ging ja bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges zurück.

Dass „Rhinland. Fontane“ mit dem Bild einer Ruine endet (ein Gutsbesitzer hatte sich nicht rechtzeitig auf die Torfkrise eingestellt), ist aber nicht programmatisch zu nehmen. Im Gegenteil stehen die Zeichen gut, dass dieser großartige Zyklus auf vier Teile anwachsen wird – „Havelland“ und „Spreeland“ stehen dann noch aus, sind zum Teil auch schon gedreht, und wenn die Fördergremien (die hier mit kleinen fünfstelligen Summen große Wirkung erzielen können) mitspielen, dann wird im Jubiläumsjahr (Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren, also vor bald 200 Jahren) ein kleines, großes Werk mit neuen Wanderungen durch die Mark Brandenburg vorliegen.

Rhinland. Fontane D 2017, 67 Min., R: Bernhard Sallmann, Start: 12.4. Do 12.4., 20 Uhr, Kino Krokodil: Berlin-Premiere in Anwesenheit von Bernhard Sallmann

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare