Soul-Rock

Rhonda im Frannz Club

Rhonda haben den leichten Sound ihres Debüts um dunkle Momente ergänzt: beschwingter 1960s-Soul mit brachialen Gitarren-Ausbrüchen

Foto: Carlos Fernández Laser

Von einer Sekunde auf die andere wird die bis dato gespenstische, nächtliche Atmosphäre der Single „Offer“ von einer aufheulenden, extrem verzerrten Gitarre und tiefdröhnenden Bläsern unterbrochen. Erregte Geiger mischen sich dazu und das Filmorchester Babelsberg bäumt sich zu seiner ganzen Imposanz auf. „Die neue Platte ist filmischer geworden und auch ein bisschen düsterer“, erklärt Sängerin Milo Milone das Unüberhörbare. „Sie geht tiefer und ist deshalb vielleicht nicht so leicht zugängig wie unser Debüt. Sie ist was für besondere Augenblicke, in denen man nichts nebenbei macht.“
Bei diesen Worten seiner Bandkollegin muss Rhonda-Gitarrist Ben Schadow schmunzeln: „Das klingt wie eine schlechte Weinwerbung“, zieht er sie liebevoll auf. „Leute trinken Wein nun mal anders, als sie Bier trinken“, verteidigt die sich. Wein sei etwas für den Moment, Bier dagegen etwas für gesellige Gartenpartys. „Gut, unsere erste Platte ist also Bier, die zweite Wein“, resümiert Schadow und lächelt sein gutmütiges Lächeln.

Tatsächlich haben Rhonda live aber schon immer beide Pole bedient: beschwingte 1960s-Soul-Nummern, aber auch brachiale Gitarren-Ausbrüche – ein Überbleibsel aus ihrem vorherigen, musikalischen Projekt, der Mod-Revival-Band Trashmonkeys. Ein halbes Jahr vor deren Auflösung im Jahr 2012 stößt Milo Milone als Bassistin dazu. „Ich hatte Bock, was zu lernen“, erklärt sie ihre damalige Entscheidung, denn eigentlich war die Bremerin nie etwas anderes als Vollblutsängerin. Schon als Jugendliche sang sie in diversen Gospelchören, nahm aber nie Gesangsunterricht. „Ich habe mir alles selbst beigebracht“, sagt Milone.
Auf der Bühne zu stehen, kostete sie anfangs jedoch viel Überwindung. „Ich war immer die Person, die, wenn sie gesungen hat, sich komplett darin verloren hat und vielleicht sogar – wie mir Leute gesagt haben – total selbst­sicher gewirkt hat, aber sobald ich den Mund aufgemacht habe, kam da Quatsch raus. Manche Bühnenansagen aus den Anfangstagen von Rhonda waren katastrophal“, gibt Milone zu. „Ich hatte einfach keine Lust auf Entertainment. Es ging mir um Kunst.“ Inzwischen hat sich die Rhonda-Frontfrau aber an die Aufmerksamkeit gewöhnt. „Man wächst rein und lernt es auch ein bisschen lieben.“ Wichtig sei es, einen Bühnenmoderationsstil zu finden, der zur eigenen Musik passe, fügt Gitarrist Schadow hinzu. „Genau“, stimmt ihm Milone zu. „Mitmachspielchen passen zum Beispiel gar nicht zu uns.“

Frannz Club Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Do 16.3., 20 Uhr, VVK 20,50 €