Kunst und Museen in Berlin

„Robert Mapplethorpe. Retrospektive“ im C/O Berlin

Die Namen der Nackten: Die Modelle Robert Mapplethorpes gaben ihre Identität preis.

mapple.Ein vornüber gebeugter, muskulöser, männlicher Körper breitet sich diagonal über das quadratische Foto aus. Im Bildmittelpunkt: ein halb erigierter Penis nebst Hoden, die auf eine Art Quader aufliegen. „Mark Stevens“ heißt das von dem US-Fotografen Robert Mapplethorpe 1976 aufgenommene Foto – „Portrait“ wäre wohl zuviel gesagt. Schließlich ist von Mark Stevens zwar der Körper, nicht aber sein Kopf zu sehen. Dass das Model dennoch namentlich in Erscheinung tritt, erscheint selbst 35 Jahre später immer noch als ausgesprochen mutig. Es ist dem Respekt geschuldet, den die Abgebildeten dem 1989 an Aids verstorbenen Fotografen gegenüber offenbar empfanden. Denn während bis weit in die 80er- Jahre hinein Mapplethorpe-Ausstellungen regelmäßig Skandale verursachten, fühlten sich die von ihm Porträtierten als Person und in ihrer Schönheit anerkannt. Wie eine klassische Statue sei er von Mapplethorpe fotografiert worden, erzählt der Afro-Amerikaner Ken Moody in dem Dokumentationsfilm „Shapes“, der bei C/O Berlin zu sehen ist. Auch Lisa Lyon, Mapplethorpe-Modell und frühe, noch recht dezent geformte Vorkämpferin des Frauen-Bodybuildings, fand in Mapplethorpe einen Mitstreiter für den damals beginnenden Körperkult der Fitness-Ära. Dass „Formvollendung“ der Schlüssel zu Mapplethorpes fotografischem Werk ist, zeigt sich eben nicht nur an seinen hoch ästhetisierten Aufnahmen von Blumen, sondern gerade bei seinen Bildern expliziter Nacktheit: Selbst Faustfick-Situationen sind da gänzlich durchkomponiert.

Text: Eva Apraku

tip-Bewertung: Sehenswert

Robert Mapplethorpe. Retrospektive C/O Berlin, bis 27.3.

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