Drama

„Roma“ im Kino

Brüchige Idylle: Mit „Roma“ blickt Alfonso Cuarón auf seine Kindheit

Foto: Netflix/ Carlos Somonte

Der mexikanische Starregisseur Alfonso Cuarón ist Jahrgang 1961. Er wuchs in dem Viertel Roma in der Hauptstadt Ciudad de México auf, und nach diesem Viertel hat er nun auch den autobiografischen Film benannt, in dem er von seiner Kindheit erzählt: „Roma“.

Die Perspektive ist dabei leicht verschoben, denn Cuarón stellt nicht, wie vielleicht zu erwarten wäre, einen Jungen in den Mittelpunkt, sondern eines der Dienstmädchen der Familie. Der Vater, der zu Beginn mit viel Getöse das zu ­große Auto in eine zu enge Toreinfahrt zu manövrieren versucht, verschwindet früh. Die verlassene Mutter versucht, für sich und ihre Kinder weiterhin den Anschein einer großbürgerlichen Existenz aufrechtzuerhalten, aber das wird zunehmend schwieriger.

Cuarón erzählt davon diskret, in den Mittelpunkt stellt er das Schicksal der indigenen Haus­hälterin Cleo, die ungewollt schwanger wird und auf der Suche nach dem verschwundenen ­Kindesvater in eine surreal wirkende Szene mit einem Martial-Arts-Idol gerät. Cuarón erzählt in nostalgischem Schwarzweiß, die Nostalgie betont er nicht zuletzt mit einer tollen Kinoszene (in einem Palast, der fast schon unwirklich prächtig ist), doch die Idylle ist in jeder Hinsicht brüchig: In einer der besten Szenen dieses virtuos inszenierten und erzählten Films geraten die Kinder beinahe in die politischen Unruhen, von denen Mexiko damals erschüttert wurde. „Roma“ wurde eigentlich für Netflix gedreht, verdient einen Besuch im Kino aber unbedingt.

Roma USA/MEX 2018, 135 Min., R: Alfonso Cuarón, D: Yalitza Aparicio, Marina de Tavira, Diego Cortina Autrey, Kinostart: 6.12.; Start bei Netflix: 14.12.

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