Filmische Installation

Rosa Barba im Neuer Berliner Kunstverein

Die in Berlin lebende Künstlerin Rosa Barba fällt immer wieder durch die Intensität ihrer Arbeiten auf. Für sie ist der Begriff des Unbewussten zentral, den sie nun im NBK mit der Astronomie zusammenbringt

Foto: Peter Harris/ Rosa Barba; Mizuki Kin Tachibana
Foto: Peter Harris/ Rosa Barba; Mizuki Kin Tachibana

Das Weltall ist zu groß für uns. Im Alltag denken wir besser nicht daran, wie weit es bis zum Pluto ist, und dass da draußen auch schwarze Löcher sind. Sonst würden wir bald nicht einmal mehr um die nächste Ecke finden. Wir wissen „unbewusst“, dass wir von etwas ganz Enormen umgeben sind. Bewusst machen wir uns die Sache nur in besonderen Momenten.
Dieser Begriff des Unbewussten ist für die Künstlerin Rosa Barba sehr wichtig. Sie findet, dass er für unser Leben eine große Rolle spielt, denn viel von dem, was uns umgibt, was sich, wie sie sagt, „in die Landschaft einschreibt“, wartet gleichsam auf einen Blick, der es hervorhebt – ins Bewusstsein, in eine geschärfte Aufmerksamkeit.

Mit ihrer Arbeit „The Color Out of Space“, die sie im Dezember und Januar im Neuen Berliner Kunstverei (NBK) zeigen wird, spielt sie schon im Titel auf eine unbewusste Konvention an, die wir mit dem Weltraum verbinden. Er ist nämlich dunkel, und aus dem Dunkel geht Licht hervor. Aber Farben? Den blauen Planeten würden wir mit freiem Auge nicht so sehen.

Auf die Beschäftigung mit astronomischer Fotografie stieß die 1972 im italienischen Agrigento geborene Berliner Künstlerin während eines Arbeitsaufenthalts in Amerika. DasExperimental Media and Performing Arts Center in Troy, New York, gehört zu einer Universität, die ein starkes Department für Astronomie hat. Es passt zu dem offenen Ansatz von Barba, dass sie sich nebenan meldete – und bald begann, mit den dort entstehenden Himmelsfotos zu arbeiten. „Ich habe diese Standbilder durch Licht in Bewegung gesetzt, zusätzliche Lichtinformation in Bilder eingefügt und sie pulsieren lassen. Auf diese Weise wollte ich das Licht, das uns so selbstverständlich ist, sichtbar machen.“

Der Film, der in Amerika entstand, wurde auf eine Fassade in einem der auffälligsten Gebäude von Troy projiziert. Der Ton dazu, eine Collage aus Stimmen, die über das Verhältnis von Kosmos und Kino nachdenken, kam passenderweise aus einem Radiokanal – also aus dem Äther, wie man früher so schön sagte. Später gab es eine weitere Version der Arbeit, die schon „stärker skulptural“ war, wie Rosa Barba erzählt. Im NBK wird sie nun diesen Aspekt weiter herausarbeiten, denn das Bild wird hier durch mundgeblasenes, farbiges Glas hindurch projiziert, sodass weitere Dimensionen des Lichts aus dem Unbewussten ­„materialisiert“ werden.  Materialisiert durch eine Projektionsanordnung, wie in so vielen von Rosa Barbas Arbeiten, die ihre Film­arbeiten bewusst zwischen Museum und Kino, Atelier und öffentlichem Raum wandern lässt. In der Kirchner-Ausstellung im Hamburger Bahnhof ist derzeit ihr Film „The Hidden Conference“ zu sehen, in dem sie sich mit dem „Unbewussten“ von Institutionen beschäftigt – mit Werken, die nicht gezeigt werden, die gerade im Lager sind.

„Als Teenager habe ich mit einer analogen Fotokamera begonnen, zu experimentieren, ich habe viel mit dem Apparat selbst gemacht“, erzählt Rosa Barba – inzwischen zweimalige Teilnehmerin der Venedig-Biennale –über ihre Anfänge.
Mit „The Colour Out of Space“ ist sie nun bei einer Arbeit angekommen, die perfekt zu einem expandierenden Universum passt, weil sie es uns mit den Mitteln des Expanded ­Cinema bewusst macht.

Rosa Barba. The Color out of space Neuer Berliner Kunstverein, Chausseestr. 128/129, Mitte, Di–Fr 12–18 Uhr, Do 12–20 Uhr, 6.12.–27.1.

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