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Santogold – Debütalbum

Widerstand ist zwecklos. Das erste Album der New Yorker Sängerin ist ein überzeugender Schlag gegen musikalisches Formatdenken

SantogoldKennt jemand das Album „How I Do“ von der Sängerin Res? Oder die Band Stiffed? Die Version des Jam-Songs „Pretty Green“ auf dem jüngsten Album von Mark Ronson vielleicht? Nicht weiter wild, wenn das alles nicht weiterhilft.

An den bisherigen Projekten von Santi White alias Santogold konnte man noch ohne Gewissensbisse vorbeihören. Jetzt ist jeder Widerstand zwecklos, denn hier geschieht Historisches. White ist Teil einer Vorhut von Musikern, die mit typisch amerikanischem Formatdenken nichts mehr am Hut haben. „Du bist schwarz, also hast Du R&B zu machen“, wurde Frauen wie ihr vor kurzem noch unverschämt zugeflüstert. Dagegen hat die in New York lebende Sängerin schon immer versucht zu rebellieren. Noch nie ist ihr aber so ein überzeugender Gegenschlag wie mit „Santogold“ (Lizard King/ Rough Trade) gelungen.

Beim Song „L.E.S. Artistes“ hat man sofort Dale Bozzio im Kopf, eine amerikanische Peroxydblondine, die in den Achtzigern mit ihren Missing Persons ein paar passable New-Wave-Pop-Momente vorzuweisen hatte. Bozzios Gesang und auch die Synthesizerspiele ihrer Band haben es Santi White besonders angetan. Aber da ist noch mehr. Mit Unterstützung der hoch gehandelten Electro-Hop-Crew Spank Rock ist sie in „Shove It“ dem Reggae auf der Spur. Auch die schnellere Ska-Variante sagt ihr durchaus zu, wie man an „Say Aha“ hört. Bei „I’m A Lady“ geht es wieder gut dreißig Jahre zurück, zu den Pretenders.

Selbstbewusst ist die Lady obendrein. Sie hält sich schlichtweg für unstoppable. Der „New Musical Express“ stimmt zu und lobt sie in einer Auflistung von Leuten, die Popmusik zurzeit nach vorne bringen. Auch Kollegin Björk ist begeistert. Bei ihr durfte Santogold schon im Vorprogramm spielen, und das gleich bei einer Show im New Yorker Madison Square Garden. In Berlin ist es wesentlich intimer abgelaufen, die Newcomerin, die eigentlich keine ist, spielte am 22. Mai im Tape Club. Angesichts der Klasse dieses Debüts kann das nur eine Zwischenstation gewesen sein.

 
(Downtown)



Text:
Thomas Weiland

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