Kommentar

„Schadensersatz“ von Stefan Hochgesand

Fünf Millionen Euro soll das Land Berlin an die Veranstalter des Lollapalooza-Festivals zahlen. Moment, das klingt zu abstrakt

Stefan Hochgesand

Fünf Millionen Euro sollen wir alle zusammen, die wir in Berlin Steuern zahlen, bald blechen. An wen? An all jene Event-Veranstalter, die 2016 trotz vertraglicher Vorabvereinbarungen nicht aufs Flugfeld Tempelhof durften mit ihren Veranstaltungen. Hier im Musikressort interessiert uns darunter naturgemäß das Lollapalooza Festival am stärksten. Eigentlich auch seltsam, dass das Lollapalooza erst jetzt diese Forderungen lanciert. Anfang des Jahres hatte der Lolla-Pressesprecher der „Morgenpost“ noch gesagt, man wolle aus Respekt vor den Flüchtlingen, die in den Hangars des ehemaligen Flughafens untergebracht sind, vorerst auf diesen Standort verzichten. O-Ton: „Die Genehmigung für die Notunterkunft soll noch bis Ende 2019 laufen, ­solange wird das Lollapalooza dort nicht stattfinden.“
Gewissensfrage: Verträgt sich besagter Respekt vor den Flüchtlingen gut damit, vom Land Berlin (wenn auch außergerichtlich, im so genannten „Vergleich“) Schadensersatz zu fordern – wo doch klar ist, dass das Land Berlin den Vertrag aus humanitären Gründen bricht? Oder ist das gar keine Gewissensfrage, sondern, come on, knallhart, eine Frage der Centinos und Euronen? Doch auch im Treptower Park war das Festival bis aufs letzte Ticket ausverkauft – und, so weit ich das mitbekomme, fanden die meisten die Location auch viel schöner als das Flugfeld. Soll da einfach noch Extrazaster rausgeschlagen werden? Das fände ich arm.

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