Dokumentarfilm

„Schatzkammer Berlin“ im Kino

Museen horten Schätze. Viele sieht der Besucher selten, bis auf die Stars natürlich. Die dürfen gern auch einen eigenen Raum beanspruchen, wie Nofretete, die legendäre schöne Herrscherin vom Nil. Ihre Büste thront im Berliner Ägyptischen Museum und mit ihr beschäftigt sich der Dokumentarfilm „Schatzkammer Berlin“ von Dag Freyer gleich als erstes.

Salzgeber

Der Einstieg überrumpelt, man blickt wie diverse durchs Bild flanierenden Museumsbesucher auf die Königin und lauscht Ausführungen zur Vergänglichkeit von Schönheitsidealen und zum Ägypten-Fieber, das in den 1920er-Jahren die Archäologen erfasste. Weiter, zum Berliner Goldhut aus der Bronzezeit, einer rund 70 cm hohen Schmuckverkleidung einer längst verrotteten Kopfbedeckung. Es folgen Ishtar-Tor und Aleppo-Zimmer, Rollsiegel und das Santa-Cruz-Boot aus Polynesien. Der Film hetzt von einem zum nächsten Highlight, um irgendwie fassbar zu machen, um was es ihr geht: die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in ihrer Gesamtheit inklusive Geschichte und Gegenwart.

Eine Mammutaufgabe, denn mit seinen 19 Museen und über 5 Millionen Exponaten zählt die Stiftung zu den fünf größten Universalsammlungen. Dag Freyer stellt auch die Macher vor: Museumsdirektoren, Restauratoren und Forscher. Sie sind keine blassen Schreibtischtäter, sondern wühlen im Schlamm eines Mecklenburgischen Flüsschens nach Funden aus dem ältesten Schlachtfeld der Bronzezeit, fahren zu Buddha-Höhlentempeln nach Kirgisien oder nach Kamerun, wo ein König noch immer auf die Rückgabe eines Thrones wartet, den sein Großvater den deutschen Kolonialisten einst übergab; bis heute steht er im Berliner Völkerkundemuseum.

Spannende Themen, wären sie nicht so willkürlich zusammengestellt, durch unmotivierten Schnitt vereint und durch überflüssige Miniaktionen, bei denen Menschen Exponate in den Berliner Alltag tragen, wieder getrennt. Brisantes wie das düstere deutsche Kolonialkapitel, die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Besitzes diverser Exponate, wird nur recht lau am Rande gestreift. Ein distanzloser Dokumentarfilm fürs Vormittagsfernsehen.

Schatzkammer Berlin D 2018, 87 Min., R: Dag Freyer, Start:

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