Wanderung

Wälder und Forste: Berlins ältester Baum und wilde Mufflons

Berlins Wälder und Forste sind immer einen Besuch wert. Sie versprechen nicht nur Erholung vom Alltagsstress, sondern zeugen auch von der bewegten Geschichte Berlins. So ließ Friedrich III. überall in der Hauptstadt Ehrenpforten errichten. Nach diesen heißt heute noch Reinickendorfs höchste Erhebung: der Ehrenpfortenberg. Auch andere Wälder hüten Geheimnisse: Wir verraten euch, warum man durch den Frohnauer Forst auf Kopfsteinpflaster gehen kann, wo sich erst Adlige, dann Spione trafen, und wo man die besten Chancen hat, wilden Mufflons zu begegnen. Das sind die schönsten Spaziergänge durch Wälder und Forste in Berlin.

Hinweis: Die Sammlung ist aktuell, entstand allerdings, bevor Corona-bedingt viele Betriebe ihren Dienst einstellen mussten. Bitte beachtet dies – die Wälder von Berlin sind aber unverändert schön. Wir empfehlen, so ihr gern wandern wollt, vor allem die Wege, die nah und einfach für euch zu erreichen sind.

Beim Spaziergang durch den Düppeler Forst stehen die Chancen gut, Mufflons zu begegnen. Foto: imago/Metodi Popow
Leben in den Wäldern und Forsten in Berlin: wilde Mufflons. Foto: imago/Metodi Popow

Ein Wald mit Kopfsteinpflaster in Berlin: Frohnauer Forst

Kopfsteinpflaster im Wald. Das ist zwar ungewöhnlich, aber in Frohnau keine Seltenheit. Reinickendorfs nördlichster Ortsteil wurde auf dem Reißbrett geplant. Es war kurz nach der Jahrhundertwende, als die von Guido Henckel von Donnersmarck initiierte „Berliner Terrain Centrale“ rechts und links der Nordbahn Waldgrundstücke erwarb und dort eine zu der Zeit angesagte Gartenstadt entwickelte. Die wurde schließlich zwischen 1908 und 1910 realisiert. Eigentlich sollte die Siedlung Frohnau größer ausfallen, doch durch die Wirren des Ersten Weltkriegs wurde aus dem Vorhaben nichts. Und so sind heute noch viele Waldwege gepflastert.

Eine schöne Waldwanderung führt vom S-Bahnhof Frohnau zu jenem in Bergfelde in Brandenburg. Entlang stattlicher Häuser und Villen läuft man von der Zeltinger Straße bis zum Pilzteich und hält sich dort nach Nordwesten, bis man in den Wald kommt. Dort folgt man den gepflasterten Pfaden bis zur Künstlerkolonie, rechter Hand geht es zum Hubertussee. Nachdem ihr die Landesgrenze passiert habt, führt euch der Weg durch das idyllische Dörfchen zum S-Bahnhof Bergfelde.


Aufstieg auf den Ehrenpfortenberg

Ein erfahrener Alpinist muss man nicht sein, wenn man den Ehrenpfortenberg besteigen möchte. Gerade einmal 69 Meter misst er, und ist dennoch die höchste natürliche Erhebung Reinickendorfs. Seinen Namen verdankt er Friedrich III. (1657–1712), der das Gebiet 1694 in Besitz nahm. Nach seiner Krönung zum König in Preußen 1701 ließ Friedrich I., wie sich der Hohenzollern-Monarch fortan nannte, an verschiedenen Orten seines Territoriums Ehrenpforten errichten, so auch auf dem für die Jagd genutzten Areal.

Der Berg hat nicht nur einen majestätischen Namen, sondern auch etwas, für das ihn andere, durchaus bedeutendere Berge beneiden: ein Gipfelkreuz, das in den 90er-Jahren aufgestellt wurde – kürzlich jedoch entfernt wurde. Auch ohne Gipfelkreuz ist es eine Wohltat, durch die Wälder von Berlin, insbesondere diesen zu streifen, den man am besten vom S-Bahnhof Hermsdorf erreicht. Über den Hermsdorfer Damm und die Schulzendorfer Straße kommt ihr zur Revierförsterei Hermsdorf, an der es allerlei Rot-, Dam- und Schwarzwild gibt, und von dort zum Ehrenpfortenberg.


Treffpunkt von Spionen und Adligen

Vom Ufer aus sieht man das märchenhafte Schloss auf der Pfaueninsel. Foto: imago/Martin Müller
Vom Ufer aus sieht man das märchenhafte Schloss auf der Pfaueninsel. Foto: imago/Martin Müller

„Hier endete 1989 die innerdeutsche Teilung“, steht auf einem der Glienicker Brücke vorgelagerten Schild. Einst trennte die stählerne Fachwerkbrücke, die heute wieder für den Auto- und Fußgängerverkehr freigegeben ist, die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam von Zehlendorf, und somit die DDR von West-Berlin. Berühmt wurde die grün getünchte Anlage durch den Austausch von Spionen. Insgesamt dreimal wurden hochrangige Agenten aus Ost und West dem jeweiligen Nachbarstaat übergeben. Heute erinnert eine Gedenktafel an diese Ereignisse. Eben an dieser Brücke beginnt auch unser Spaziergang, der entlang der Havel bis zur Pfaueninsel führt. 

Im Prinzip muss man nur dem Weg am Wasser folgen. Es geht vorbei am Casino des Schlosses Glienicke. Der Wald gibt immer wieder den Blick frei auf die Havel, die Heilandskirche am Port von Sacrow und sogar auf unser Ziel, die Pfaueninsel. Von dieser bringt euch ein Bus zum S-Bahnhof Wannsee.


Wälder in Berlin: Im Spreepark herrscht Aufbruchstimmung

Bereits Theodor Fontane wusste den Plänterwald als Naherholungsgebiet zu schätzen. In seinem Roman „Der Stechlin“ beschrieb der Schriftsteller auch das Ausflugslokal „Eierhäuschen“. Unser Spaziergang durch den Plänterwald führt uns nicht nur zu dem historisch bekannten Restaurant (oder zumindest dem, was davon noch übrig ist), sondern auch vorbei an weiteren Berliner Legenden, etwa dem Spreepark oder der Insel der Jugend. Ausgangspunkt ist der S-Bahnhof Baumschulenweg. 

Das 45 Meter hohe Riesenrad ist eines der letzten Fahrgeschäfte, die im Spreepark noch erhalten geblieben sind. Foto: imago/Hohlfeld
Das 45 Meter hohe Riesenrad ist eines der letzten Fahrgeschäfte, die im Spreepark noch erhalten geblieben sind. Foto: imago/Hohlfeld

An der Uferpromenade angekommen folgen wir dem idyllischen Weg, bis wir auf die Insel Bullenbruch treffen. In Höhe des Baums mit der Plakette A539 biegen wir links in einen nicht weiter ausgeschilderten Trampelpfad, der uns ins Unterholz des Plänterwalds führt. Wir folgen dem Pfad bis zur Kiehnwerderallee, die wir überqueren, um weiter geradeaus zu gehen. So erreichen wir nach wenigen Augenblicken einen Waldspielplatz, der vor allem von örtlichen Kitagruppen besucht wird.

Neben dem Schutzpilz führt ein Weg zurück in einen der schönsten Wälder von Berlin. Wir folgen diesem bis zu einer Lichtung, dort halten wir uns links und treffen so nach einigen Gehminuten auf eine weitere Lichtung, auf der Bänke aufgestellt sind. Nun folgen wir dem Weg, der rechts abgeht, biegen anschließend nach links und begegnen so einer Plansche. Hierbei handelt es sich um Relikte aus DDR-Zeiten. Wir laufen weiter auf dem Weg. Vor uns wird die Ruine des legendären „Eierhäuschens“ sichtbar. Wir umrunden das „Eierhäuschen“ und landen so wieder auf dem Spreeweg, der uns zum Spreepark bringt. Weiter entlang des Wassers führt der Weg zum Treptower Park, an dessen Ende wir zum gleichnamigen S-Bahnhof kommen.


Weite Felder und reichlich Sand

Dichter Baumbestand mit sattgrünem  Unterholz und nur wenige Meter weiter eine ausladende, wüstenartige Binnendüne: Der Tegeler Forst präsentiert sich erstaunlich facettenreich. Auf einer Wanderung von Alt-Tegel bis nach Heiligensee gibt es darüber hinaus reichlich Wasser, endlose Felder, pittoresk gestaltete Häuser sowie – als Highlight unserer Wanderung – sowohl den ältesten als auch höchsten Baum Berlins zu bewundern. 

Unser Spaziergang beginnt am S-Bahnhof Tegel, von dem aus wir über die Gorkistraße die Fußgängerzone Alt-Tegel erreichen. Wir folgen der Greenwichpromenade nach rechts, passieren die Anleger der Ausflugsdampfer, eine Minigolfanlage und überqueren schlussendlich die Sechserbrücke, die ihren Namen einem pfiffigen Fischer verdankt, der sich hier einst eine goldene Nase verdiente. 

Wald in Berlin: Berlins ältester und Berlins höchster Baum stehen beide in Tegel. Hier ist die "Dicke Marie" zu sehen. Foto: imago/Travel-Stock-Image
Berlins ältester und Berlins höchster Baum stehen beide in Tegel. Hier ist die „Dicke Marie“ zu sehen. Foto: imago/Travel-Stock-Image

Im Wald treffen wir nun auf die „Dicke Marie“, Berlin ältester Baum. Wir folgen weiterhin dem Uferweg bis zum Parkplatz an der Waldhütte. Nach dem Überqueren der Straße geht es auf direktem Weg in den Tegeler Forst. Nach einigen hundert Metern versteckt sich mitten im Wald ein weiteres Naturdenkmal: Berlins höchster Baum. Rund 42,5 Meter misst der Baum, bei einem Umfang von gerade einmal 2,90 Meter – lächerlich im Vergleich zur „Dicken Marie“ mit ihren knapp sechs Metern. 

Plötzlich lichtet sich der Wald: Die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet, nennt sich Baumberge. Das rund 47 Hektar große Areal ist eine Binnendünenlandschaft am Nordrand des Berliner Urstromtals und ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet. Von dort läuft man am besten zur zum S-Bahnhof Schulzendorf.


Wälder in Berlin: Auf Tuchfühlung mit den Mufflons im Düppeler Forst

Ratten in den Gassen, Tauben auf den Dächern und Füchse, die selbst auf dem belebten Alexanderplatz umherstreifen: Wildtiere gehören zu Berlin. Im Großstadt­dschungel begegnen wir zumeist den üblichen Verdächtigen. Bei einem Ausflug in den Düppeler Forst dagegen können Wanderer Zeitgenossen kennenlernen, bei denen es sich nicht um Einheimische, sondern gewissermaßen um Einwanderer handelt: Mufflons.

Der Weg zu ihnen führt über die sogenannte Stammbahn. Und damit durch die deutsche Industriegeschichte. In Deutschland verkehrten die ersten Lokomotiven 1835 zwischen Nürnberg und Fürth. Drei Jahre später zog Preußen mit der Strecke Berlin-Potsdam nach. Heute fährt auf der Stammbahn kein Zug mehr, auch wenn eine Initiative sich für die Wiederaufnahme des Betriebs einsetzt. Die Schienen sind zumindest noch in Teilen erhalten und führen uns vom S-Bahnhof Zehlendorf vorbei an mondänen Villen und kauzigen Schrebergärten sowie dem Museumsdorf Düppel, wo das mittelalterliche Leben Berlins abgebildet wird, schließlich in den Düppeler Forst.

Im Düppeler Forst leben viele Mufflons. Foto: imago/Metodi Popow

Wir bewegen uns entlang des Grenzverlaufs zwischen Berlin und Brandenburg in den Wäldern von Berlin. Die Grenze war auch schuld am endgültigen Niedergang der Stammbahn – die zuletzt noch genutzte Strecke zwischen Kleinmachnow und Zehlendorf wurde aufgrund mangelnder Nachfrage infolge des Mauerbaus in den 60er-Jahren eingestellt. Der Düppeler Forst hingegen wurde während der Teilung Deutschlands von US-amerikanischen Soldaten genutzt, die auf einer Lichtung regelmäßig Barbecues veranstalteten. Eine mit Graffitis verzierte Mauer erinnert noch heute an die Besatzer. 

Ebendort stehen die Chancen hoch, Mufflons zu begegnen: Wildschafe, die eigentlich auf Korsika sowie in den Gebirgsketten von Sardinien und Zypern heimisch sind. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Tiere in den Berliner Forsten ausgesetzt, vor allem zu Jagdzwecken. In den 50er-Jahren wilderte man weitere Tiere aus. Heute haben sich die Mufflons mit dem fremden Habitat arrangiert. Scheu sind sie dennoch geblieben.

Wer sie sehen möchte, braucht Geduld. Kinder schließen sich am besten einer Wanderung der Waldschule Zehlendorf an, die unweit des Wannsees steht. Dort endet zugleich auch der Spaziergang entlang der Stammbahn. Nach dem Fußmarsch können sich sich die Kleinen als Tierbeobachter in eine meditative Stimmung versetzen. Übrigens: Es gibt noch weitaus mehr Orte in Berlin, an denen man Tiere beobachten kann – teils ganz schön ausgefallene Arten.


Wälder in Berlin: Rund um den Flughafen Tegel

Einladende Sandstrände, sauberes Wasser und der Panoramablick auf die Start- und Landebahnen Tegels machen den Flughafensee zu einem der beliebtesten Badegewässer im Norden Berlins.

Wald in Berlin: Die Boeing 707 wurde einst mit Ehren in Berlin empfangen, heute vergammelt sie auf dem Flugfeld. Foto: imago/Jürgen Hanel
Die Boeing 707 wurde einst mit Ehren in Berlin empfangen, heute vergammelt sie auf dem Flugfeld. Foto: imago/Jürgen Hanel

Von U-Bahnhof Otisstraße startet unser Rundgang um den Flughafen „Otto Lilienthal“, der über weite Stücke durch den Jungfernheider Forst führt. Dabei macht man so manche skurrile Entdeckung: Leuchtfeuer zwischen Bäumen, ein Grab mitten im Wald, angelegt für verunglückte französische Piloten, sowie eine auf dem Flughafengelände abgestellte Boeing 707, die einst mit Ehren empfangen wurde, um die sich heute aber niemand mehr schert.


Mehr Ausflüge in die Natur

Von Berlin aus ist es nie weit nach Brandenburg. Wir haben Wanderrouten zusammengestellt, die euch in die schönsten Ecken des Nachbarbundeslandes bringen. Ihr wollt lieber in die Pedale treten? Wie wäre es mit einer Radtour durch Brandenburg? Wer übrigens einfach mal ohne Bewegung (oder eben auch mit) seine Freizeit verbringen will, kann auch einfach in einer der schönen Parks in Berlin entspannen.

Über aktuelle Entwicklungen in den Berliner Wäldern und Forsten informiert euch das Land. Dort erfahrt ihr auch, wie ihr euch verhalten sollt, insbesondere bei Waldbrandgefahr.