Kultur & Freizeit in Berlin

Schrottfahrräder in Berlin

Die Reifen sind platt und zwischen den Felgen rankt Unkraut

radleicheLaut Experten stehen rund 100?000 verlassene Fahrräder, sogenannte Fahrradleichen, überall im öffentlichen Raum angeschlossen an Geländern oder Laternen herum. Sie verschandeln die Gegend und besetzen rare Fahrradanschließplätze. Sie mit dem Bolzenschneider „befreien“ darf man jedoch nicht, sagt der Gesetzgeber. Ein abgeschlossenes Fahrrad signalisiert die Ansprüche seines Besitzers.
Ein Schloss aufzubrechen ist Sachbeschädigung, das Rad mitzunehmen Diebstahl – egal, wie lange es schon vor sich hin rostet. Zwar darf öffentliches Gelände nicht als dauerhaftes Lager benutzt werden.

Das Ordnungsamt markiert Fahrräder, die lange unbewegt herum­-stehen mitunter mit einer „Aufforderung zur Beseitigung“, damit sie gegebenenfalls nach fünf Wochen verschrottet oder zur Aufarbeitung an soziale Träger wie die agens Arbeitsmarktservice gGmbH übergeben werden können. Doch die so entfernten Räder erreichen in Berlin nur eine dreistellige Zahl. Anders sieht die Rechtslage auf Privatgelände aus, beispielsweise in den Hinterhöfen von Miethäusern. Im Auftrag etwa von Hausverwaltungen öffnet die Firma „Fahrradleichen“ Schlösser, arbeitet einen Teil der Räder für den Verkauf wieder auf, spendet aber die meisten an soziale Werkstätten. In Holland ist man übrigens noch weiter: Die Firma Roetz-Bikes lässt Fahrradleichen in Behindertenwerkstätten in schicke Vin­tage-Prunkstücke verwandeln.

Text: Simon Grothe/Eva Apraku

Fahrradleichen: Abholen und Verkauf www.fahrradleichen.de; www.gebrauchte-fahrräder-berlin.de

„Forgotten Friends. Fahrradleichen & Co.“ von Monika Bauert und Norman Bösch, Berlin Story Verlag 2012, 96 S., 7,80 Ђ