Kino & Film in Berlin

„Schwalbennest“ im Kino

Queere Utopie in Brandenburg. Doch die Teenage-Tochter im Film von Caro Kadatz und Franka Braun will raus aus dem Schwalbennest.

Schwalbennest

In tiefer brandenburgischer Provinz siedelten Caro Kadatz und Franka Braun ihre Geschichte an, in der die heranwachsende Lisa als Tochter eines schwulen Paares aufwächst. Anders als geahnt, erntet der alternative Familienentwurf in „Schwalbennest“ keinerlei Skepsis. Im Gegenteil, die Regisseurinnen malen in ihrem kleinen Coming-of-Age-Film die dörfliche Umgebung als queeres Utopia, in dem Hetero-Beziehungen zur kuriosen Ausnahme zählen.
Konfliktstoff bietet eher der klassische Streit, der zwischen den gluckenhaften Vätern und der Teenager-Tochter keimt, als die sich verliebt: in einen zugezogenen Jüngling, freiheitsliebend wie sie und ebenfalls Fan alter Schwalbe-Motorroller.
Die queere Familie als Normalfall zu zeigen, darum geht es in „Schwalbennest“. Der Elan dieser Toleranzbotschaft aber überträgt sich kaum in filmische Ausdrucksmittel. Vom schwerfälligen Textbuch können sich die Darsteller kaum lösen, bei der Zeichnung der Lebenswelt der Väter schließlich werden Tuntenklischees bereitwilliger bedient, als es dem Film lieb sein kann. Beides geht zu Lasten der Leichtigkeit, die sich in der jugendlichen Romanze andeutet.

Text: Ulrike Rechel

Foto: CazaNova Productions

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Schwalbennest“ im Kino in Berlin

Schwalbennest, Deutschland 2010; Regie: Caro Kadatz, Franka Braun; Darsteller: Johanna Leinen (Lisa), Gregor Marstaller (Heinrich), Jeroen Mosselman (Gert); 51 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 22. September

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