Berliner Legende

Schwarzes Café in Charlottenburg: Nach 42 Jahren wird es eng

Das Schwarze Café hatte immer geöffnet. Bis Corona kam. Nun soll eine Crowdfunding-Kampagne die Zukunft einer Utopie sichern.

Das Schwarze Café kämpft ums Überleben
Schwarzes Café-Mitgründer Michael Dauer im Garten des Cafés. Foto: Clemens Niedenthal

Um die Relevanz dieses zweitgeschossigen Ladens an der Kantstraße deutlich zu machen, genügen zwei Zahlen: 42 und 24. 

42 Jahre gibt es das Schwarze Café nun also, gegründet im Nachklang des legendären Tunix-Kongresses. Eine neue, undogmatische Linke hatte sich daran gemacht, die Geschichte Berlins neu zu schreiben. Wobei das als Kollektiv betriebene Schwarze Café, Kreuzberg kam ja gerade in Mode, ganz bewusst in Charlottenburg eröffnet wurde. Unter den Schlipsträgern. Aber auch im alten Theater- und Kulturkiez.

Schwarzes Café: 24 Stunden am Tag geöffnet

Beliebt – und immer auf: Das Schwarze Café in  Charlottenburg, Foto: HiPi
Beliebt – und immer auf: Schwarzes Café in Charlottenburg, Foto: HiPi

24 Stunden am Tag hat diese Frühstücks- und Absturzinstitution also beinahe schon 42 Jahre lang geöffnet. Man habe, so Gründungscaférianer Michael Dauer, ja schließlich auch für 24 Stunden Miete gezahlt. Miete zahlen sie noch immer. Eine Immobilie zu besitzen, das passte nicht ins Weltbild dieses im besten Sinne alltagspolitischen Projekts, das längst zur Geschichte wie zum Gewissen dieser Stadt gehört. Nun hat Corona dem Schwarzen Café einen Schlag versetzt. Wir würden den symbolischen Betrag von 19,78 Euro (das Gründungsjahr) in den Erhalt dieser libertären  Institution investieren. Nicht nur wegen seiner Geschichte. Sondern weil auch die Zukunft solche gemeinschaftlichen Theken braucht.

  • Schwarzes Café, Kantstraße 148, Charlottenburg, täglich durchgehend geöffnet (außer dienstags 3-10 Uhr)
  • Das Crowdfunding läuft noch weiter und ihr könnt es hier unterstützen.

Dieser Text erschien zuerst in unserer Print-Ausgabe 13/2020. Die könnt ihr hier bestellen.

Wie geht es der Gastronomie in Berlin? Wir haben uns die neue Normalität zwischen Desinfektion und Denunziation mal angesehen. Dass die Sperrstunde gefallen ist und das Schwarze Café wieder 24/7 geöffnet sein kann, haben wir auch einem Charlottenburger Restaurantbesitzer zu verdanken: Dieser Gastronom hat erfolgreich gegen die Sperrstunde geklagt. Ihr könnt mit den ganzen hippen Läden nichts anfangen? Wir haben Kneipen in Berlin gesammelt, die so richtig schön urig sind.

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