Kommentar

„Schwule Kreativ­wirtschaft“ von Peter Laudenbach

Zu den Aufgaben des Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins, derzeit Ulrich Khuon, gehört es, die Infrastruktur der Bühnen zu verteidigen, zum Beispiel gegen unsinnige Sparmaßnahmen

Peter Laudenbach

Nicht zu seinen Aufgaben gehört der Versuch, angesehene Rezensenten in öffentlichen Stellungnahmen auf maximalem Erregungspegel zu diskreditieren. Khuon empört sich in einem offenen Brief über eine Glosse, in der sich die Opernkritikerin der „Zeit“, Christine Lemke-Matwey, über die offenbar missratene Uraufführung „Edward II.“ an der Deutschen Oper Berlin lustig macht.
Die Oper handelt von einem schwulen Monarchen. Lemke-Matwey erwähnt, dass Komponist, Librettist, Regisseur, Intendant und Dramaturg der Inszenierung ebenfalls schwul sind. „So weit so gut. Man fragt sich allerdings, wie die geballte schwule Bühnenkreativwirtschaft ein derart jämmerliches Stück hervorbringen kann“, seufzt die Rezensentin.
Ulrich Khuon meint, hier einen Fall von Homophobie entdeckt zu haben. Damit demonstriert er, nun ja, einen gewissen Diskursrückstand. In seinem empfehlenswerten nollendorfblog.de argumentiert der schwule Journalist Johannes Kram sehr nachvollziehbar, dass Khuons offener Brief mit seiner paternalistischen Herablassung „selbst homophobe Reflexe kultiviert“. Wer Lemke-Matwey kennt, weiß ohnehin, wie lächerlich Khuons präsidiale Unterstellungen sind. Gerade als Intendant des Deutschen Theaters müsste er eigentlich wissen, dass gut gemeinte Inszenierungen besonders jämmerlich scheitern können.

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