Pop Avantgarde

Scritti Politti im Haus der Kulturen der Welt

Beim Wassermusik-Festival: Die großen Pop-Innovatoren Scritti Politti

In den späten 1970er- und 1980er-Jahren waren Scritti Politti eine Band, deren Schaffen den sich wandelnden Zeitgeist reflektierte: In der politisierten DIY-Szene in Leeds trafen Gartside und der Bassist Nial Jinks (die beiden kannten sich aus der Young Commmunist League) auf den Schlagzeuger Tom Morley. Sie schmissen ihr Kunststudium, gingen nach London und versuchten sich an Postpunk, aufgeladen mit politphilosophischen Diskursen. Trotz des rumpeligen Sounds, abrupten Tempiwechseln und dissonanten Akkorden, bekamen sie dafür einige Aufmerksamkeit.

Bald litt Gartside an Bühnenangst und Panik­attacken. Nach einer Auszeit erfand er Scritti Politti neu. Sein zuckersüßer Gesang rückte in den Vordergrund. Dazu gab es souligen Synthiepop. Seine Mitstreiter wollten den Kurswechsel nicht mittragen. Mit neuen Musikern nahm Gartside den Durchbruch-Song „The Sweetest Girl“ auf, 1985 folgte mit „­Cupid & Psyche“ eines der bahnbrechenden Pop­alben seiner Zeit. Auf dem setzte Gartside Samplingtechniken ganz neu ein. Kein Wunder, dass er nun beim Wassermusik-Festival auftritt, das in diesem Jahr dem Innovationspotenzial des britischen Pop huldigt.
Immer noch ist Scritti Politti das Vehikel von Gartside – der ein langsamer, aber präziser Arbeiter ist. Das letzte Album „White Bread Black Beer“ erschien 2006, ebenfalls nach langer Pause – und klang auf bestmögliche Weise, als hingen die Beach Boys mit Hip-Hoppern am Lagerfeuer ab. Vielleicht gibt es jetzt neues Material zu hören.

Haus der Kulturen der Welt John-Foster-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Sa 18.8, 19 Uhr (Vorgruppe: Bas Jan), VVK 16/ erm. 12 €

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