Gegenwartstheater

Sehnsucht: „Die Frauen vom Meer“ im Theater RambaZamba

Wie geht die Freiheit? Das Theater RambaZamba spielt Olga Bachs „Die Frauen vom Meer“

Foto: Andi Weiland | www.andiweiland.de

Spätestens seit Ersan Mondtag beim Theatertreffen 2017 ihren schön verdrehten und Nachtlebensubstanzen-befeuerten Text „Die Vernichtung“ zeigte, kann sich die Autorin Olga Bach erhöhter Aufmerksamkeit sicher sein. Sie hat, was junge Autoren dringend brauchen: eine eigene Sprache und die Kraft, mit dieser Sprache eine Welt zu entwerfen.

Jetzt hat sie für das Theater RambaZamba, das ja mit seinen Spielern ebenfalls eine eigene, unverwechselbare szenische Sprache entwickelt hat, einen Klassiker bearbeitet, Hendrik Ibsens „Die Frau vom Meer“ von 1888. Es ist ein Stück über das verfehlte, nicht gelebte, im Familiengefängnis eingesperrte Leben einer Frau, Hilde Wangel, und ihren etwas nebligen Sehnsüchten nach der Freiheit, die es da draußen irgendwo geben muss.

130 Jahre später spielen Olga Bachs „Die Frauen vom Meer“ diese Konfliktmuster unter heutigen Bedingungen durch: Was heißt das, ein selbstbestimmtes Leben? Und welchen Preis hat es? Und hat sich seit Ibsens Bürgerwelten des späten 19.Jahrhunderts wirklich so viel in den realen Geschlechterverhältnissen und Abhängigkeiten geändert, wie wir uns gerne einreden? Sind die patriarchalen Muster robuster und tiefer in den Selbst- und Lebensentwürfen verankert, als wir Rundum-Selbstverwirklicher wahr haben wollen?

Bei Olga Bachs Frauen vom Meer vermischen sich die Ebenen: Die Grenzen zwischen Leben und Tod, Wunsch und Wirklichkeit, Ende und Unendlichkeit werden beunruhigend durchlässig. Auch die alten Topoi der Romantik scheinen weiter in die Gegenwart zu strahlen: Findet man vielleicht erst im Totenreich oder als Wasserleiche im dunkel lockenden Meer die Befreiung von der Schwerkraft der Verhältnisse? Die junge Regisseurin Lilja Rupprecht inszeniert das mit den RambaZamba-Künstlern und einem prominenten Gast: Angela Winkler.

Die Frauen vom Meer im Theater RambaZamba Schönhauser Allee, Prenzlauer Berg, Karten 21 €

Kommentiere diesen Beitrag