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Rezension: Shakespeare Sonette im Berliner Ensemble

Shakespears SonetteDie erste Lüge dieser Inszenierung darf Inge Keller als Shake­s­­peare gleich am Anfang sagen: „Ich seh viel mehr, mach ich die Augen zu.“ So beginnt Robert Wilsons Inszenierung „Shake­s­peares Sonette“ am Berliner Ensemble. Das mag für die Liebe gelten, nicht aber für das Wilson-Theater. Wer hier die Augen zumacht, verpasst das Beste. Allen voran eben Inge Keller, die einen so mädchen-, wie mumienhaft zerbrechlichen Shakes­­peare gibt. Um ihren weiß leuchtenden Pagenkopf scheint die pompöse Inszenierung zu kreisen. Es ist eine Shakespeare-Maschine, ein scheppernder und glitzernder Thea­terjahrmarkt, den Wilson da um die Sonette gezimmert hat. Es hüpft und flattert, es klirrt und klimpert.
Rufus Wainwright liefert den Soundtrack und verpackt ein paar Sonette in seine süß-gefälligen Balladen und knallt den anderen ein paar rockige Riffs um die Ohren. Das Spektrum reicht von leichter Hofmusik bis Weill. Dazu schwebt ein dicker Puttenamor von der Decke und wackelt kokett mit dem Hintern, eine Handpuppe läuft Amok und ein Auto küsst einen toten Baum. Jürgen Holtz gibt eine grandios knurrige, brokat­bewährte Elisabeth und Ruth Glöss einen schwarz-behelmten zwinkernden Narren-Puck. Sauber durchcho­reo­grafiert und in scharf gebügelten Kostümen spulen diese Traumfiguren ihre Verse ab und ertränken dabei Shakes­peares Zeilen in Bühnenpomp und Musiksauce.

Text: Björn Trautwein

Foto: Lesley Leslie-Spinks

tip-Bewertung:
Sehenswert

Shakespears Sonette Credits und Termine,
im Berliner Ensemble

 

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