Israelisch

ShiShi in Kreuzberg

Familienzuwachs für Mrs. Robinson: Im vibrierenden ShiShi kommen die Zutaten für eine arabisch-israelische Wohlfühlküche aus Brandenburg

Foto: Boaz Arad

Zugeben, es schmeichelt dem Kritiker, offensichtlich den Geschmack getroffen zu haben. Jedenfalls hat dieser Pulled-Pork-Laden mit den Großküchenaromen und dem anbiedernden Street-Food-Gehabe nicht lange durchgehalten. Vergangen sind nicht einmal zwei Jahre, in denen die Kreuzberger Ritterstraße wohl endgültig zu einer Zentrallage des neuen, ­jungen, internationalen und, ja, geschäftstüchtigen Berlins geworden ist.

Die Crowdfunding-Plattform Startnext hat passenderweise ihre Räume in just jenem Hinterhof, in dem seit wenigen Wochen das ShiShi just dort anfängt, wofür seine beiden Betreiber stehen. Da wäre Gastgeberin Shani Ahiel, Israelin und queere Aktivistin, die mit ihrem Hummus-Laden Yafo in Mitte schon ganz wunderbar gezeigt hat, dass das neue kulinarische Berlin durchaus noch mit beiden Beinen im Party- und Nachtleben stehen kann. Und, als Aromen­geber im Hintergrund, Ben Zviel, dessen fokussiertes Produktrestaurant Mrs. Robinson in der Pappelallee very New York und vor allem very großartig ist. Das Laute und das Feine, der Sinn für die Qualität und die Ausgelassenheit, mit der letztere gefeiert wird, dafür also steht nun das ShiShi (hebräisch für Freitag). Wobei Ben Zviel seine guten Kontakte zu sehr guten Brandenburger Produzenten eingebracht hat. Bauer Zielke oder Erdhof Seewalde, Zviel kooperiert wie schon im Mrs. Robinson mit dem Lieferservice der Kreuzberger Markthalle Neun.

Küchenchef Francisco Hernandez macht daraus aromenintensive Teller, die bei aller Intensität den Nuancenreichtum wahren. Das Lamm von Holzkohlegrill (18 Euro) spielt mit dem Rauch, dazu geräuchertes Auberginenpüree, angeflammte Zitrone und ein Schafsfrischkäse, der all das wunderbar rahmt. Das Carpaccio von Pfirsisch und Bete ist unfassbar fruchtig und angenehm wenig süß. Hummus, Tahine, Pistazien – die typischen Insignien einer israeli­schen Küche – dürfen immer wieder Akzente setzen, Hauptdarsteller sind sie nicht.

Was noch erwähnt werden muss: die sehr guten Pita-Sandwiches zum Lunch und der Fokus auf mediterrane Naturweine, die Shani Ahiel mit überzeugender Logik anzupreisen weiß: Auch nach fünf Gläsern hätte man am nächsten Morgen sicher keinen Kater. Ja, im ShiShi wird das Essen tatsächlich ein Fest.

ShiShi Prinzenstr. 12/14, Kreuzberg, Mo–Fr 12–23 Uhr www.shishiberlin.de

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