Theater und Bühne in Berlin

„Side-Show“ beim Tanz im August 2012

Eva Meyer-Keller sorgt mit ihrer "Side-Show" in der Festival-Bar im Podewil für gute Laune

Die Welt ist in den Händen von Experten, die sie immer weiter anreichern mit Horror-Prophezeiungen: Klima, Krise, Katastrophen. Eva Meyer-Keller reagiert darauf mit Kochrezepten, Komik und Kulinarik. Bei ihrer letzten Aktion „Cooking Catastrophies“ ließ sie mal eben die Welt untergehen. Da wurden zwei Türmchen aus Toastbrot von einem Keksflugzeug attackiert. Eine dicke Schicht Eis blies der Föhn an, worauf das Eis schmolz und sich schokoschmutzig ins Tal auf ein paar winzige Häuser ergoss. Am Schluss wurde Besteck verteilt und die Zuschauer löffelten den Schlamassel aus: eine Überschwemmung aus Miso-Suppe, eine Gletscherschmelze aus Milcheis, eine Brandrodung im knackigen Salatdschungel, dessen schwarze Flecken keine Asche, sondern Balsamico-Tröpfchen waren. Eva Meyer-Keller wird nichts von ihrer Kunst in der „Sideshow“ zeigen, dem Überraschungsformat bei Tanz im August. Garantiert tanzfrei soll es zugehen, verspricht auch ihr Partner und Ko-Kurator, der Musiker Rico Repotente. Beiden geht es darum, wie köstlich Kunst doch sein kann – auch ohne Kabarett, Kaderkritik und soziale Korrektheit.

Das Festivalzentrum von Tanz im August im Podewil bildet die Side-Bar samt jeder Menge Bar-Tricks. Es wird, wenn schon ein K-Wort, dann eben: kommuniziert. Es gibt Party-Spiele für Erwachsene und ein Bar-B-Q für die Eltern, während die Kinder anderweitig bespaßt werden: mit Tanz. Eva Meyer-Keller möchte hier keinen Tanznachwuchs fördern, nicht die im großen Festival Zukurzgekommenen aufnehmen. Wenn, dann wird geschwoft. Die „Sideshow“, wie sich die ehemalige sommer*bar von Kerstin Schroth nun nennt, soll der Gegenpol zur Kunst werden. Die schleicht sich allenfalls augenzwinkernd ein.
Und wenn der zweitschnellste Trommler der Welt sowie der berühmteste unbekannte Comedian aller Zeiten auftreten, dazu der weltlängste Act, eine Gitarre zu zerstören, wird man schlecht von einem chilligen Abendvergnügen sprechen wollen. Die Party ist vielmehr ein Statement. Allzu hoch wollen die Meyer-Keller und Repotente ihr Werk nicht hängen. Aber eins versprechen sie, und sind sich dabei ganz sicher: „Es wird saulustig.“ 

Text: Arnd Wesemann

Side show
Side-Bar im Podewil,
11.-25.8.,
Eintritt frei, vor, während und nach den Vorstellungen

Mehr zu Tanz im August:

TANZ IM AUGUST 2012 ÜBERBLICK

ÜBERSICHT DER STÜCKE

ERÖFFNUNGSSTÜCK „MIRROR AND MUSIC“

TANZSENSATION: „CORPS DE WALK“

SELBSTPORTRÄT: „DRUGS KEPT ME ALIVE“

ISRAELISCHE TANZPRODUKTION „SHIP OF FOOLS“

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