Wat denn?

Sie sind wieder da

Lange nichts gehört – oder ­gelesen – von Brösel und ­Trondheim. Jetzt kehren sie als linke Wut­bürger zurück

Foto: Brösel/Bröseline Verlag

Eigentlich dachte man ja, Brösel wäre in Rente gegangen, würde auf seinem Landsitz in Eckernförde rumlungern, am Moped schrauben, Bölkstoff nuckeln und ab und zu seinen Wohnzimmer-Pool fluten. Seit 14 Jahren herrschte bei seinem „Werner“ jetzt Pause und – mal ehrlich – niemand hat ihn wirklich vermisst. Umso überraschender war dann die Veröffentlichung von Band 13 „Wat Nu!?“ im Juni. Der Inhalt freilich hat überhaupt nicht überrascht.

Die Hauptgeschichte dreht sich um die Neuauflage des Rennens „Red Porsche Killer vs. Holgis Antik-Porsche“ und ist ungefähr so spannend und witzig wie das „Ben Hur“-Remake aus dem letzten Jahr. Im vorderen Teil des Bandes bezieht Brösel dann mal politisch Stellung, und man wünscht sich sehr schnell, das würde er nicht tun. Angesichts seiner Seiten zu den Themen Glyphosat und Fracking merkt man nämlich recht schnell, dass der 68-Jährige zwar eine Meinung, aber vermutlich keine Ahnung hat. Mehr als inhaltslose Sprechblasen (Sprechblasen! In einem Comic! Verstanden? Bomben-Gag, mindestens auf Brösel-Niveau) kommen jedenfalls nicht rüber.

Aber schlechtgelaunte Wutbürger gibt es ja nicht nur in Schleswig-Holstein. Seit vielen Jahren angekündigt, hat der Berliner Reprodukt Verlag jetzt endlich den ersten Band von Lewis Trondheims Serie „Die erstaunlichen Abenteuer ohne Herrn Hase“ veröffentlicht. Und da der Franzose ein großer Grantler ist, möchte man sofort mitstänkern: „Die ­Abenteuer des Universums“ haben nämlich nix-aber-auch-gar-nix mit Herrn Hase zu tun. Vielmehr sind die Einseiter eine Fortsetzung von Trondheims autobiografischem Band „Approximate Continuum Comics“: Von der Metropole Paris ins eher ländliche Montpellier ge­zogen, geht es viel um Trondheims Unwohlsein mit dieser Welt, dem Kapitalismus, dem Euro, der Atomkraft, unseren Ernährungsgewohnheiten. Das ist natürlich komplett kleinbürgerlich und extrem de-
struktiv, denn Trondheim tut ja nichts, um die Verhältnisse zu ändern. Und da ist er eben – obwohl dezidiert links stehend – schon ganz nah dran an Pegida, und genau wie Brösel ein linker Wutbürger.

Doch die eigentliche Sensation ist ja, dass zeitgleich mit dem Band ohne Herrn Hase ein neues Album mit ihm erscheint. Vor 13 Jahren ließ Trondheim seine Lieblingsfigur schnöde sterben, jetzt macht er es Karl May und Arthur Conan Doyle nach: Herr Hase lebt, seine intellektuellen Freunde leiden immer noch am Laberflash und die Handlung wird von Seite zu Seite absurder. Das ist schon toll, auch wenn das Wiederlesen etwas getrübt wird. Leider ist Trondheim über die Jahre eine Eigenschaft verloren gegangen: die des Mitgefühls, die sich oft in leiser Melancholie über das Unvermögen dieser Welt äußerte. Die „etwas bessere Welt“, die Herr Hase dem Leser im Titel verspricht, ist eben genau das nicht: Sie ist härter, kälter, die Abgründe klaffen. Und Trondheim – so scheint es – ist an ihren Widersprüchen nicht mehr interessiert.
Ein Fall von Filterblase? Oder doch eher Altersweisheit?

 

Werner, Band 13: Wat nu!? von Brösel, Bröseline Verlag, 128 S., 19,80 €
Die erstaunlichen Abenteuer ohne Herrn Hase, Band 1: Die Abenteuer des Universums von Lewis Trondheim, Reprodukt, 48 S., 13 €
Die neuen Abenteuer von Herrn Hase, Band 1: Eine etwas bessere Welt von Lewis Trondheim, 48 S., 13 € von Lewis Trondheim, 48 S., 13 €