Kunst und Museen in Berlin

Graffiti-Ausstellung „Silence Is A Lie“ im SEZ

Die Graffiti-Lobby engagiert sich vehement für Urban Art in Berlin und will große Projekte möglich machen. Jetzt kommt die Ausstellung "Silence Is A Lie" im Sport- und Erholungszentrum (SEZ.)

SEZ_DvB_c_David_von_BeckerEine Ausstellung zu organisieren, ist ein Kraftakt. Man benötigt Verbindungen zu Galerien, auch Werbung ist nahezu eine Notwendigkeit. Und sofern man nicht selbst Künstler ist, braucht man eben auch diese und ihre Arbeiten. Zusammenfassend könnte man sagen, ein Netzwerk ist zwingend erforderlich, um ein Großprojekt wie dieses zu meistern. Die Graffiti-Lobby, ein offener Verbund für engagierte Urban-Art-Interessierte und –Treibende, hat es sich zum Ziel gemacht, eine Lösung für eben diese Problematik darzustellen, indem sie die Netzwerkbildung fördert.

So begann es: Die Münchner Graffiti-Legende Cemnoz, Jurij Paderin von Stadtbilder und Shalmon Abraham von BerlinSightOut machten sich im letzten Jahr auf die Suche nach geeigneten Orten für Graffiti-Events. Sie hatten das nötige Netzwerk. Woran es haperte, waren Orte, an denen man das Netzwerk und ihre Teilnehmer wirken lassen konnte. Die Idee für die Graffiti-Lobby war geboren. Und diese wurde gebraucht. Denn Rainer Löhnitz, Verwalter des SEZs, hatte die Idee für eine Urban-Art-Galerie in teilweise ungenutzten Teilen der ehemaligen DDR-Sportanlage. Woran es ihm mangelte waren Ansprechpartner, um diese Idee adäquat zu verwirklichen. Hier bildete die Graffiti-Lobby die rettende Brücke. Nachdem diese bereits in Absprache mit den Verwaltern des RAW-Geländes zwischen der Revaler- und der Warschauer Straße eine flächendeckende, langfristig angelegte Neugestaltung organisiert hatte, stand nun auch das SEZ als Standort zur Verfügung. So stellte die Graffiti-Lobby Kontakt zwischen Löhnitz und dem in Berlin lebenden argentinischen Street-Artist Alaniz her.

Der Stein kam ins Rollen. Rainer Löhnitz organisierte und wählte mithilfe von Alaniz, der slowenischen Designerin Alesa Mustar und dem Fotografen Eric Marйchal aus dem Künstlerfundus der Gaffiti-Lobby. Solche spontanen Zusammenschlüsse laufen nicht immer reibungslos ab, gibt es doch mannigfaltige Motivationen für und viele Ansprüche an urbane Künste. Am Ende stand eine Ausstellung in den Räumlichkeiten und an der Fassade des SEZ mit rund 130 teilnehmenden internationalen Künstlern. Thematisch steht es den Künstlern frei, ihrer Vision einer realen oder wünschenswerten Welt mit ihren Mitteln Ausdruck zu verleihen. Für das zweite von der Lobby organisierte Event eine solide Größenordnung. Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Geplant ist ein permanenter Veranstaltungsort für Urban Art und ihre Protagonisten: das fehlende Glied zwischen den kleineren Berliner Urban-Art-Galerien und Events der Superlative wie der STROKE. Doch die Graffiti-Lobby ist noch nicht am Ende ihrer Mission – im Gegenteil, es ist erst der Anfang. Geplant ist bereits ein Event auf dem Gelände der ehemaligen US-Abhörstation am Teufelsberg. Nachdem die Pläne eines Investors fehlschlugen, ist derzeit Abraham verantwortlich für die Verwaltung des brachliegenden Geländes. Regelmäßig finden hier Führungen über das Areal statt. Der Tag des offenen Denkmals im September soll nun genutzt werden, um Tür und Tor für Künstler aller Art zu öffnen. Darunter selbstverständlich auch Urban-Artists.

Text: Josef Dube

Foto: David von Becker

Silence is a lie SEZ, Landsberger Allee 77, Friedrichshain, Fr–So 15–19 Uhr, bis 30.9., Eintritt frei, Graffiti-lobby-berlin.de.lv, stadtbilder.cms4people.de, berlinsightout.de, www.silenceisalie.com

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