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„SMS“ von Erik Heier

Am 9. Dezember kommt es im Astra-Kulturhaus zu einem fast schon nostalgischen Ereignis. Dort werden ausgesuchte Exemplare einer aussterbenden Kommunikationsform verlesen: der SMS

Erik Heier

Wechselseitig Absender und Empfänger sind die Herren Christoph Grissemann und Rocko Schamoni. Es lebe die SMS! Das Akronym steht, das weiß heute kaum noch jemand, für „Short Message Service“ und gehört in jene Zeit, in der man noch CDs in ein extra dafür entworfenes Abspielgerät gab und seine Abendgestaltung am zeitlichen Ablauf von Fernsehsendung orientierte. Eine im Streaming-Zeitalter fast schon lächerlich erscheinende Verkomplizierung von audiovisueller Erlabung. Wie die Kulturtechnik des Briefeschreibens durch das E-Mail-Versenden weitestgehend abgelöst wurde, tippt gibt man heute anstelle einer schnöden SMS irgendwas in soziale Netzwerke ein oder lässt Geheimdienste anderweitig an seiner Korrespondenz teilhaben. In der Literatur ist die SMS fast das nächste große Ding. Die in dem Buch „Ich will nicht schuld sein an deinem Niedergang“ gesammelten Kurzbotschaften von Grissemann und Schamoni, aus denen beide am 9. Dezember, 20 Uhr, im Astra  lesen, tragen nämlich den Untertitel „Ein moderner Briefwechsel“. Dabei werden in Hemmingway-hafter Lakonie herzergreifende Bosheiten, Beleidigungen und Banalitäten versendet. „Keinen Cent kriegst du! Selber schuld! Steerman gebe ich mein Geld!“(…) „Fick dich, du Schweinskopf“. So viele Drama in wenigen Worten. Abgründe gar.

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